Full text: Erwin Rohde

Aeusserungen R . Wagners . 
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Den freudigsten Widerhall weckte die temperamentvolle Streitschrift in Bayreuth . Yon R . Wagner empfing Rolide im Oktober 1872 »ein freundliches Schreiben , voll jener habenen Naivetät , die ihm als schönste Eigenthümlichkeit des Genius eigen ist . Als ob ich , mich zu ihm gesellend , seiner Sache irgend etwas zusetzen könnte ! « Einige Wochen später kam ein »liebenswürdiger Brief« von CosiMA Wagner ; Rohde hat von der genialen Frau noch wiederholt Rath und spruch in schwieriger Lage erfahren . Beide empfanden haft , dass hier Ein Freund für den andern ohne Zaudern seine Existenz einsetzte1 , und den Freund selbst „ erfüllte die haft aufopfernde Handlungsweise Rohdens immer und immer mit der innigsten Dankbarkeit " ( E . Förster - N . II S . 94 ) . 
Rohde hatte die Sachlage von vornherein schwarz genug angesehn , und auch die »privatissime« geäusserte Zustimmung Ritschl's und Ribbeck's konnte ihn nicht sonderlich trösten 
wähnen Silv . I 8 , 23 habentes carmina somnos ( dazu Vollmer S . 268 ) ; der alte Improvisator mag aber vor Allem an das Verseschmieden im Traum gedacht haben , von dem Heyse kurz vorher launig spricht . Rohde ist dem Problem noch wiederholt nachgegangen , z . B . als er es in einer Schrift Volkklts ( die Traumphantasie , 1875 , S . 176 ) behandelt fand . 
1 R . Wagner schreibt ( Bayreuth 29 . Oct . 72 ) : „ Mein geehrter Freund ! Ich finde , dass ich mit und durch Nietzsche in recht gute Gesellschaft gekommen bin . Das können Sie nicht wissen , was das heisst , sein langes Leben über in schlechter , oder wenigstens alberner Gesellschaft verbracht zu haben . . . Aber diese Wendung beginnt auch wirklich erst mit sche : vorher schwang sich meine Sphäre nicht höher , als bis zu Pohl , Nohl und Porges . . . Unsere Freude über Ihre Schrift war gross : sie ist das würdige Seitenstück und Complement der „ Geburt " selbst . Die Hauptsache für uns war , aus dieser Abfertigung wieder etwas lernen zu können , und ausserdem den „ ganzen Mann " so recht achten und lieben zu lernen . Gewiss musste uns Allen so Etwas schön helfen : in den Zukunftsmorast der menschlichen Gattung wage ich aber keinen sehr herzlichen Blick mehr zu werfen . Doch können wir das immerhin die Sache Gottes sein lassen , wie er das Alles zu seiner Ehre einrichten will . . . " Cosima W . sagt u . Á . ( Strassburg 23 . November 1872 ) : „ . . . so kann ich sagen , dass selten mich eine Schrift so ergriffen hat und mir so wohl gethan ; wohl und weh , denn sie ist eine That . . . , deren gende Folgen Sie sicherlich vorausgesehen haben , wie ich sie förmlich eintreten sehe . . . . So bang nun , bei dem Erkennen der äusseren Lage , mein Gefühl ist , so sicher , fest und über alle Noth erhaben ist es , wenn ich an die Regung denke , die gegen alle äussere Rücksicht mächtige , die Sie bestimmt hat , und so rufe ich : Heil Ihnen , dass Sie so sind , und so denken , und so handeln ! "
	        
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