Full text: Erwin Rohde

Jakob Burckhardt . Historische Anschauung . 
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doch ihr , in den Gymnasien , einen Vorzug vor andern 'reinen' Historien einräumen zu wollen : wie man das , mit den samsten Redensarten und vermöge eines Ueberrestes von stinkt , doch immer noch vertheidigt . . . « 
Rohde seihst stand eben vor der Aufgabe , zu seinen losophischen und künstlerischen Bedürfnissen die Forderungen rein geschichtlicher Arbeit und Betrachtung , die gerade sein Stoff unumgänglich erheischte , in's rechte Verhältnis zu setzen . AY ie A . v . Gutschmid sein Meister gewesen war für das lenkritische Handwe r k , wurde damals Jakob Burckhardt sein Vorbild für die historische Kunst . Persönliche ziehungen hatten sich durch Nietzsche angesponnen1 ; auf das Studium der kunsthistorisch - ästhetischen Werke war intensivste Beschäftigung mit den geschichtlichen gefolgt . »Um deine Kollegien bei Burckhardt2 beneid ich Dich ( heisst es auf einem Zettel an Nietzsche ) : wenn es einen ganz specifisch historischen Geist giebt , so ist Er es . Es g i e b t eine Art , die Dinge historisch zu sehn : und damit meine ich nicht jene triviale Professorenart , das geheimnisvolle Thun des Weltwillens . . . mit Approbirung hoher Behörden auslegen zu wollen , als wäre die Menschengeschichte ein Cursus von Sexta bis Prima . Grade die Kunst , keinen 'Grundgedanken' hinein zu dociren , aber , in Anschauungen denkend , das Wesen und Tliim gangener Zeiten so zu erkennen , wie sie damals lebten und sich bewegten , das ist die hohe Kunst des Historikers«3 . Und ein paar Jahre später [ N . 24 III 74 ] : Begierig bin ich , Burckhardt« Worte [ über die zweite Unzeitgemässe ] näher 
1 Schon bei dem Aufenthalt in Basel Frühjahr 1870 war er »mit dem geistvollen Jakob Burckhardt , zusammen in Muttens« [ M . 9 VI 76 ] . In jugendlicher Lust am Symbolischen stellte N . dann 1871 zwischen seinen Bekannten durch jenen Act gemeinsamer Libation , von dem E . Förster - N . ( II 63 ) erzählt , eine Art telepathischen Zusammenhangs Her ; so lässt R . Burckhardt gvüssen als einen der ! Çovxs ; und erkundigt sich wiederholt in seinen Briefen ( besonders seit 1872 ) nach seinem Brgehn , «einen Ansichten und Absichten [ vgl . N . 27 IX 72 . 24 III 74 ] . 
- Es war die Vorlesung über das Studium der Geschichte , die in manchen Gedankengängen , besonders der zweiten 'Unzeitgemässen' , klingen wird . Vgl . Carl Neumann , Deutsche Rundschau 1898 , S . 382 f 
3 Das ist ungefähr dasselbe , was Neumann ( Hist . Zeitschr . XLIX S . 449 ) 'historisches Leben in bildlicher Folge' genannt und aus der sionären Kraft der anschaulichen Schilderung' bei Burckhardt abgeleitet hat .
	        
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