Full text: Erwin Rohde

Ausbildung des Prosastils . 
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mit volleren und zugleich reineren Lauten , als früher . Auch in der wissenschaftlichen Prosa Roh de's stellen sich verwandte Züge ein . Manche Abschnitte des Buches über den Roman haben eine Fülle und Süsse des Ausdrucks , einen ruhig da - hinströmenden Wohllaut des Satzbaus , bei dem man sich wohl an das Vorbild des grossen Schweizer Stilkünstlers erinnert iiihlen mag , dem auch Nietzsche begeistert huldigte1 . Wie ernsthaft Roh de damals bemüht war , »das edelste Instrument , die menschliche Rede« wahrhaft kunstgemäss behandeln zu lernen , zeigen mancherlei theoretische Betrachtungen über Schriftstellertechnik und Stil in gleichzeitigen Aufzeichnungen ; vor Allem mit der Wirkung und Bedeutung des bildlichen Ausdrucks hat er sich wiederholt beschäftigt2 . 
1 Vgl . 'Der Wanderer' 109 = Werke III S . 257 . 
2 Vgl . Cog . 40 . »Unsre Sprache hat sich von der richtigen lichkeit , die ursprünglich in jedem Worte der Sprache liegt . . . , sehr weit entfernt . Ich empfinde es oft an eigner Schreiberei , wie grau , abstract , bildlos unsre Sprach - und Ausdrucksweise geworden ist . leicht durch Schuld des Ueberwiegens der wissenschaftlichen Prosa , auch namentlich der Schleiermacherei und Hegelei . So bezeichnen wir unsre Meinungen vielleicht wirklich eigentlicher und näher , als eine liche Zeit : aber es fehlt das liebliche Mitspielen so vieler , durch liche Wörter mit angedeuteten Vorstellungen . Diese Dürre empfindet man peinlich , und sucht ihr leicht aufzuhelfen durch einen absichtlich bildlichen Ausdruck : absichtlich nicht , weil er Einem nicht etwa ohne Weiteres und instinctiv sich aufdrängte , sondern weil man das Bildliche dabei doch immer empfindet und festhält und daher eben leicht zu weit ausmalt und zu lange festhält« ! [ N . 24 III 74 ] .
	        
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