Full text: Erwin Rohde

Schrif'tstellerarbeit am Roman . Briefe an Nietzsche . 
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versuchte ihn damals an die Oberwelt emporzuführen und zu öffentlichen Aeusserungen über seine ganze Denkweise « zu veranlassen . Rohde lehnte das rund ab ; er müsse sich das versparen auf eine viel spätere Zeit : »Ich bin ein sehr sam reifendes Wesen , das seine Binge sehr allmählich ansetzt . Vor der Hand fühl ich mich wirklich nicht gereift genug , um über Allgemeines öffentlich zu reden , sondern ich bedarf des Stammes eines besondern Gegenstandes , an dem ich mich ranke« [ N . 17 VI 74 ] . So fühlte er sich später innerlich ge - nöthigt , sich auch von der Zusage , an den Bayreuther Blättern mitzuarbeiten , wieder entbinden zu lassen . In seinen zeichnungen freilich wie im Briefwechsel vertieft er sich — mitten in der Kleinarbeit an seinem Buch , als wollte er sich die Glieder recken — in die fernen Bäthsel , die die Freunde beschäftigten . In einem schönen Briefe an Nietzsche [ 13 XII 74 ] spinnt er die Grundgedanken der dritten Unzeitgemässen weiter ; besonders die griechische Cultur in ihrer besten Zeit scheine , nach Nietzsche's Forderung , als Spitze und Zweck die Zeugung und Emporhebung des Genius , »in unbewusstem selbst genialem Trieb , sogar mit Härte und Grausamkeit« strebt zu haben [ s . Cog . 76 ] . Mit diesem Gedanken verschlingen sich Betrachtungen über die Sklaverei , angeregt durch den ten Abschnitt von Overbecks Studien zur Geschichte der alten Kirche , den R . fast mit demselben Gefühl wie einst die lichkeit' gelesen zu haben bekennt . Seit der Abschaffung der Sklaverei sei es mit dem obersten Ziel der griechischen Cultur , dem Súvaafrat tv xaXfijç , vorbei , »und mit den vielen 
Härten , die dieses , in seiner Ausführung . . mannigfach stellte Princip zur Vorbedingung hat , sind doch jedenfalls auch seine edelsten Früchte seitdem abgefallen , und nie wieder zu erzeugen« . Seine Gedanken glitten hei der »heroischen Musik« Nietzsches doch wieder zurück in die gewohnten Bahnen des Gelehrthenthums : »davon . . . ist schwer wieder los zu men ; denn es liegt ein gar zu grosser Beiz in solcher lichen Umschau« . 
In der That war es ein Zug , der den Historiker und Philologen vom Philosophen scheidet und dem Künstler näher rückt : der Drang zum Schauen des individuellsten Lebens mit
	        
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