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Erotik und Utopien . Rhetorik . Chariton .
dem Denken und Dichten spätgriechischer Litteraten ein faches Echo tindet1 : das wird in dem , zahllose tungen zu einem harmonischen Ganzen vereinigenden zeile so anmuthig und anschaulich dargelegt , dass der Leser die spröde Mosaiktechnik des Gemäldes völlig vergisst . Der massive Leib , worin dies zarte Seelchen einer subtilen Erotik zu hausen pflegt , sind allerlei wundersame Abenteuer zu ser und zu Lande , in denen sich das Liebespaar zu bewähren hat . Das giebt Rohde Anlass zu einer , an überraschenden Ausblicken reichen Geschichte der geographischen Phantasieen und Märchen , von der Odyssee bis zu den spätesten " schriftstellern . Schulung und Dressur erhält das sonderbare Zwittergeschöpf durch die Rhetorik und Sophistik . Die volle Schilderung dieser Bestrebungen hat einer sachgemässen Würdigung nicht nur der griechischen Romane , sondern der spätantiken Litteratur überhaupt die Wege geebnet ; dem niessenden Leser bietet sie ein unübertroffenes Culturbild aus dem wunderlichen Stillleben des alternden Griechenthums . Im Schlussabschnitt , der Analyse der einzelnen sophistischen besromane , macht Rohde die Probe auf dies elegant gelöste Exempel einer aufs Typische gerichteten geschichtlichen gebra und versucht , neben der durchaus überwiegenden con - ventionellen Technik der Gattung die spärlichen Züge einer individuellen Art und Kunst ans Licht zu stellen . Neuere Eunde haben hier einzelne Linien yerschoben . So hat uns ein Papyrus aus Oxyrhynchos ( spätestens aus den ersten zehnten des 3 . Jahrhunderts n . Chr . ) gelehrt , dass wir ton ( wie schon AV . Schmid vermuthet hatte ) viel früher setzen haben , als Rohde gethan hat ( Eayum towns und their papyri by B . P . Grenfell and A . S . Hunt u . s . w . , S . 75 ) 2 . Be -
1 Es miisste noch einmal gründlich untersucht werden , wie weit selbst die galante Poesie des germanisch - romanischen Mittelalters mit jenen Hellenisten zusammenhängt . Für das »heimliche Weiterwirken scher Romanfabulistik« ist schon von Rohde ( Rom . S . 572 ) , und dings von E . Klebs Mancherlei beigebracht worden . Auch die höfische Lyrik ist nicht frei von byzantinischen , weiterhin hellenistischen flüssen , vgl . die Commentationes Ribbeckianae S . 14 ff .
2 Nabeb ( Mnemosyne 1901 , S . 144 ) glaubt , dass die Textform des Papyrus nicht die ursprüngliche sei , also schon eine längere Textge -