Full text: Erwin Rohde

Geschichtlicher Hintergrund . Vergleichende Litteraturgescliichte . gl 
deutsam ist es , dass dies , von Rohde in seinem geschichtlichen Werthe unterschätzte Werk den entschiedenen Versuch macht , hinter den schwankenden Gestalten seiner Fabel einen stimmten geschichtlichen Hintergrund festzulegen . So reicht es dem auch im Schema verwandten Ninos - ßoman Wilcken's und ähnlichen Stücken die Hand und fordert dazu auf , dem Verhältnis des Liebesromans zum historischen Volksbuch und zur Geschichtschreibung weiter nachzugehn . Es gilt hier doch wohl noch eine führende Persönlichkeit zu entdecken , die den von Rohde nachgewiesenen Typus zum ersten Mal geprägt hat1 . Rohde hätte sich diesen Aufgaben gewiss nicht zogen , wenn er die zweite Auflage seines Buches hätte stalten können . Für die Revision der Personalakten des riton , den er ursprünglich zu einer allegorischen Figur flüchtigt hatte , war er schon 1894 im Rheinischen Museum eingetreten . 
Im Uebrigen sind gerade diese einen scheinbar sterilen Stoff — den Gang und Inhalt der einzelnen Erzählungen — behandelnden Schlussabschnitte reich an fruchtbaren ergebnissen : sie fördern eine Fülle von Beiträgen zur gleichenden Novellen - und Märchenforschung an den Tag . Erstaunlich ist der Umfang , in dem hier , und auch in den früheren Abschnitten , die orientalischen und modernen Litte - raturerzeugnisse herangezogen sind . Sieht man ab von legentlichen Ansätzen bei Männern , wie Welcker oder H . Usener , war Rohde unter den Zünftigen so ziemlich der erste , der — so fest er von der besondern Stellung des thums überzeugt war — die chinesische Mauer niederriss und die Antike als kostbarstes Glied , aber doch nur als ein Glied der W e 111 i 11 e ratur zu betrachten lehrte . So hat Rohde in gewissem Sinne der antiken Litteratur gegenüber jene versalgeschichtliche Betrachtung angebahnt , die sein ( von ihm 
schichte voraussetze . Darauf hin meint er bis in die Zeiten Trajans zu - rtickgehn zu dürfen ; von einem Zeitgenossen des Kaisers habe jener von Rohde ( Rh . Mus . XLVIII 140 = Rom . 2 520 ) herangezogene Chariton den Namen Ulpius . Mehr als eine Möglichkeit ist auch Das nicht . Meinen Antheil an der Entzifferung des Romanfragments hat Naber übrigens viel zu hoch angeschlagen . 
1 Vgl . U . Wilcken im Archiv f . Papyrusforschung I . 
Crusius , e . Rohde . 6
	        
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