82 Historischer Standpunkt . Charakter der Darstellung .
später hart befehdeter ) Landsmann E . Meyer bald darauf auf dem Gebiet der allgemeinen Geschichte proclamiert hat . Um so fester hat er seine eigentliche Aufgabe abzugränzen sich bemüht ; die 'fünf Vorträge' , in denen später E . Schwarz nicht sowohl den Roman , als das Romanhafte in der alten Litteratur darzustellen versuchte , waren als Ganzes nicht nach seinem Herzen ( Kl . Sehr . II S . 8 ff . ) .
All diese , vornehmlich »in den Anmerkungen munkelnde« philologische Gelehrsamkeit ist aber nur Mittel zum Zweck . Der berufene Historiker verräth sich in der Sicherheit , mit der die Einzelheiten nach ihrem Werthverhältniss und ihren menhängen geordnet werden ; der Feinfühligkeit , die den timsten psychologischen Vorgängen nachtastet ; dem hellen Künstlerblick , der den geschilderten Culturriclitungen und Epochen das Charakteristische abzusehn weiss . Oft fühlt man sich leise an die Art Jakob Burckhardts erinnert , in dem wir einen der wissenschaftlichen Erzieher Rohdes kennen lernt haben1 . Die Kunst der Selbstentäusserung dem rischen Stoff gegenüber ( deren eine starke Persönlichkeit am dringendsten bedarf ) hat der Jüngere nach schwerem Ringen endlich wohl noch bewusster und consequenter zu üben standen , als der Aeltere , der doch darin sein Meister wesen war .
Bei dem auf den ersten Blick wenig verlockenden Stoffe wagte sich Rohde , in unsrer Zeit , als Leser nicht nur leute zu denken , sondern vor Allem »unzünftige Freunde des Alterthums , dergleichen ja doch wohl , trotz der verheerend um sich fressenden 'allgemeinen Bildung' in deutschen Landen hin und wieder noch manche wohnen mögen« . Er durfte das , denn es war ihm gelungen , die spröden Elemente in eine same Masse zusammenzuschmelzen und zu einem wahrhaften Kunstwerk umzuformen . Was ihn dazu befähigte , war nicht allein seine reiche , bewusst durchgebildete schriftstellerische
1 Zahlreiche Stellen wenden sich an Burckhardts Bücher über das Zeitalter Constantins und die Kultur der Renaissance . Wenn sich Rohde die »Erforscher culturhistorischer Gebiete« als Leser wünschte ( in der Vorrede ) , so dachte er an Burckhardt , wie die Briefe zeigen ( z . B . das erste Schreiben , das er von Jena aus an Nietzsche richtete ) .