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Das Versinken und Untergehen im Wasser als Aeusse - rungen göttlichen Zornes und Strafe frevelnder und hafter oder überstolzer , verschwenderischer und üppiger Menschen ist einer der verbreitesten Sagenzüge . Ganze Reihen von Städten , Schlössern , Burgen , Klöstern , Dörfern und Einzelgehöften können als Belege angeführt werden . * ) In vielen dieser Erzählungen spielt auch das Tanzen am Sonntage eine Rolle und fordert damit unmittelbar zur Vergleichung auf . So sollen zwischen Rietz und Prutske bei Brandenburg Leute an einem Sonntage in einem Kruge über Gebühr getanzt haben , als ein schweres Gewitter heraufzog und alles unter Donner und Blitz in die Tiefe fuhr , und der „ Tanzteich " bei Niedersachswerfen am Harz soll seinen Namen davon tragen , dass dort Sonntags in der Schenke tanzende Leute durch einen Blitzstrahl in den grund versanken . Aber die Sage vom Juugfernsee scheidet sich von diesen Erzählungen doch durch eine Anzahl bedeutsamer , mythisch anklingender Züge ; völlig richtige Beleuchtung erhält sie allerdings erst durch die daneben bestehende zweite Sage , zu der wir zunächst übergehen .
Unter dem Landvolk jener Gegend findet man nämlich ausser der allgemein bekannten Legende ab und zu noch eine balladenartige Geschichte , durch welche Namen und Entstehung des Sees erklärt werden sollen . Ein lieber Freund , der als Forstbeflissener die dortigen Waldungen durchstreifte , hatte sie von den „ Holzweibern " gehört und mir gelegentlich mitgeteilt . Darnach soll hier im Walde einst ein alter , grimmer Mann gelebt haben , der drei wunderschöne Töchter hatte . Den lebenslustigen Mädchen behagte es wenig in der Einsamkeit ; sie lockte das Dorf
völlig verwischt worden ist . Ich selbst berichte auf Grund mündlicher Mitteilung eines Landmannes in Kottwitz .
' ) Eine reichhaltige Zusammenstellung solcher Sagen bei L . Bech - stein : „ Mythe , Sage , Märe und Fabel im Leben und Bewusstsein des deutschen Volkes " . Leipzig 1854 . III , 212 ff . und bei Kulin - Schwartz : Norddeutsche Sagen , Märchen und Gebräuche s . v . „ Städte " .