Full text: Beiträge zur Volkskunde

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sie machte , wie in unserer Erzählung , eine Geschichte daraus , die etwa an die Stoffe der Bänkelsänger erinnert . Zu letzterer Gattung gehört u . a . eine Sage aus der gegend von Schweinfurt , welche ich vollständig anführen will , weil sie zu unserer eine überraschende Analogie bietet . In dem Walde , durch welchen die Chaussee von Schweinfurt nach Königshofen geht , stehen drei steinerne Kreuze , „ zu den drei Jungfern " genannt . Vor langen Jahren sollen hier drei Jungfern auf ihre Geliebten , drei Jäger , gewartet haben . Allein diese hatten einen Feind , der sie hasste und „ ein sehr böser Mann " war . Mit einem Male trat er aus dem Dickicht und ermordete alle drei . 1 ) Der Zusammenhang dieser Geschichte mit unserer sage ist schon an sich deutlich genug ; jeder Zweifel aber wird dadurch ausgeschlossen , dass in derselben Gegend die ursprüngliche Mythe im Anschluss an einen jetzt schwundenen Teich noch daneben bestellt . 2 ) — 
In unserer ersten Erzählung , der Legende vom fernsee , fehlt allerdings die Gestalt des Vaters , des Wassermannes , und damit anscheinend ein wichtiger gleichungspunkt . Aber die schon gefundenen stimmungen sind doch zu gross , als dass wir deshalb am gemeinsamen Ursprung zweifeln dürften . Jeder kundige weiss , wie oft heidnische Stoffe in christliche 
Schloss vom See verschlungen wurde , den Wassermann zu sehen ? Bei Groningen ist das „ Jungfernloch " ( Kuhn - Schwartz a . 0 . 156 ) , in dem eine Jungfer in einer Kutsche ( ? ) untergegangen sein soll ; dass der Glaube an Wassergeister auch au diesem Wasser haftet , zeigt die merkung „ der Teich fordere alljährlich ein Opfer " . 
* ) L . Bechstein : Sagenschatz des Prankenlandes 173 . 
2 ) L . Bechstein a . 0 . 165 . — Die drei Kreuze , welche lich wahrscheinlich eine ganz andere Beziehung hatten , bringt die Volkserzählung in folgender Weise mit der Sage in Verbindung : „ Da die Jungfern ohne Beichte dahin gefahren waren , fanden sie keine Buhe , bis ihnen die Kreuze gesetzt wurden . Um diese schweift nun der Geist des Mörders " . Die Erzählung trägt den Stempel späterer Erfindung an der Stime .
	        
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