Full text: Beiträge zur Volkskunde

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Formen gekleidet wurden , wie das Christentum das sein der im Volksbewusstsein lebenden Dämonen zunächst nicht leugnete , sie aber als teuflische Unholde oder doch wenigstens durch Frevel der Hölle verfallene , unselige , verfluchte oder verzauberte Geister auffasste . 1 ) Das gilt auch für die Wasserdämonen . So gelten in Österreichisch - Schlesien die Wassermänner als Nachkömmlinge der ver - stossenen Engel , die anstatt in die Hölle in das Wasser gesprungen seien . 2 ) Die Wassernixen aber erscheinen weilen als Nonnen eines im See versunkenen Klosters , 3 ) von denen die wortgetreu erzählte Nixensage sich lich genug ausnimmt . 4 ) So werden die drei Nixen unserer Sage zu drei weltlich gesinnten Mädchen , welche gegen das Gebot der Kirche , die Heiligung des Feiertages , digen , und die Strafe trifft sie nun vom Himmel durch Gottes Zorn . Die Sage ist in Anschauungskreise tragen , welche unter dem Einflüsse des Christentums sich im Bewusstsein des Volkes in den Vordergrund drängten . 
Beiden Erzählungen ist eine kurze Bemerkung gehängt , welche die Entstehung des Sees mit der strafung der drei Jungfern in Verbindung setzen und so seinen Namen davon herleiten will , offenbar das Produkt 
> ) Weinhold : Beitrag zur Nixenkunde auf Grund schlesischer Sagen . ( Zeitschr . d . Vereins für Volkskunde 1895 . Heft 2 , 123 . ) 
2 ) Peter a . O . 11 / 12 . Vernaleken : Mythen und Bräuche des Volkes in Oesterreich 161 . 
8 ) Mones Anz . III , 93 . 
4 ) Beim bodenlosen See zwischen Empfingen und Nordstetten streitet diese Passung eigentümlicher Weise mit einer der oben wähnten Sagen von untergegangenen Orten : Die einen sagen , es sei dort ein Kloster versunken , dessen Nonnen nun im See wohnen ; die anderen meinen , ein Wirtshaus sei darin versunken und führen als Beleg an , dass noch jetzt eine Stelle in der Nähe „ der Tanzplatz " heisst ( vgl . die oben angeführte Sage vom Tanzteich ) . Ob etwa diese Krugsagen in der Weise entstanden sind , dass man die vom tanz herrührende Bezeichnung später nicht mehr verstand und aus dem Begriffe „ Tanzen " sich eine der christlichen Anschauung näher liegende Geschichte erdichtete ? 
Germanistische Abhandlungen Heft XII . ''
	        
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