Full text: Beiträge zur Volkskunde

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einer späteren wissbegierigen und wundergläubigen Zeit , das sich zunächst bei der Legende angegliedert haben mag und dann durch Vermischung beider Sagen auch zu der anderen Erzählung hinzutrat , ohne dort eine rechte bindung einzugehen . Interessanter ist für uns der lösung verheissende Schluss der Legende , welcher dem christianisierten Stoffe wieder seltsam eine heidnische schauung beimischt . Die Kirche hatte zwar jene dämo - monischen Wesen des heidnischen Aberglaubens verflucht , aber dem Volke , mit dessen Gefühlsleben sie durch hunderte verflochten gewesen waren , erschienen auch sie als erlösungsfähig . 1 ) So hat das Volk auch für unsere drei armen Seelen eine Möglichkeit der Errettung gefunden , indem es dieselbe , wie in so vielen anderen Sagen , von der Kraft oder Geschicklichkeit erfordernden That eines noch kommenden Befreiers abhängig macht . Man könnte annehmen , dass die Seelen in oder an das Schilfbüschel gebannt zu denken seien , und dieser Bann durch das Aus - reissen desselben gebrochen wird , wie z . Bsp . in einer Crossener Sage der in dem allmählich austrocknendem See wohnende Geist ( = Wassermann ? ) durch das erste Mädchen erlöst wird , welches darin einen Büschel Gras schneidet . 2 ) Näher liegt es aber vielleicht , an die breitete Vorstellung zu denken , dass der Wassermann mitten im See tief unten seine Wohnung hat und dort die Seelen der ihm Verfallenen gefangen hält . 8 ) Durch das Ausreissen des Büschels mit der Wurzel würde dann ihr Gefängnis gesprengt werden , so dass sie durch das Wasser in die Höhe steigen und dem Elemente ihres Peinigers , nach christlicher Fassung : der Hölle , entrinnen könnten . 
' ) Weinhold a . 0 . 
s ) Gödsche a . 0 . 144 . 
8 ) Peter a . 0 . 11 / 12 ; Kuhn - Schwartz a . 0 . 173 ( 2 ) ; Grossmann a . 0 . 161 ; Vernaleken a . 0 . 179 .
	        
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