Full text: Beiträge zur Volkskunde

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leute bezeichnet nämlich „ Esel " einen blinden Schacht . l ) Die Sage vom Kittnerberge ist also aus einer alten männischen Bezeichnung herausgewachsen , die auch nach dem Verschwinden der fremden Bergleute , die sie gebraucht hatten , mit dem Berge verknüpft blieb . Noch deutlicher tritt dieser bergmännische Ursprung in einer ganz ähnlichen Sage auf , die sich um die Kiensburg im Weisstritzthal schlingt . „ Als im Jahre 1476 die Räuber , welche die Kiensburg besetzt hielten , besonders die böhmischen Hus - siten , die sie in den hussitischen Unruhen eingenommen hatten , daraus vertrieben wurden , sollen sie einen grossen Schatz in den Gemäuern oder an anderer Stelle verborgen haben , der von den nachfolgenden Bewohnern nicht deckt werden konnte . Im dreissigjährigen Kriege , als die Burg bald der einen , bald der andern Abteilung der Heere angehörte , besetzten sie auch die Schweden im Jahre 1633 , und ein Obrist derselben , Naso nennt ihn Devour , soll in einem Pfeiler ein goldnes , andre sagen ein mit Gold futtertes Eselsfüllen gefunden haben mit der Inschrift : Gold ist mein Futter , 
Nicht weit hiervon steht meine Mutter . 
Esores asini quondam dixere Silesos ; 
Causa rei quae sit , quaestio nata fuit . 
Möns prope Beichsteinum est auro diyesque fodinis , 
Aureus hiñe asinus nomine dictus erat . 
Has quia Silesi solum tenuere fodinas , 
Esores asini sint quasi , nomen habent . 
Vgl . Schles . Histor . Labyrinth . Breslau u . Lpz . 1737 S . 127 if . und Minero - pliilus Freibergensis Neues Bergwerklexicon . Chemnitz 1730 s . v . Esel . 
' ) So nach Veith Deutsches Bergwörterbuch . Breslau 1871 s . v . Indessen scheint dieser der Bedeutung des Wortes zu enge Grenzen zu ziehen . Der Esel wurde als Zugtier bei Berg - und Hüttenwerken früher viel benützt , im Grossaupathal noch in der Mitte dieses hunderts . Sehr natürlich mag das fremdartige Tier manchem Werke , dem es diente , den Namen gegeben haben , wie zuweilen wohl auch andere Zugtiere . So erklärt sich vielleicht die Sage vom „ goldnen Ochsen " im Rabengebirge . Vgl . W . Patschovsky : Die Sagen des Kreises Landeshut . Liebau i . Schi . 1893 S . 24 .
	        
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