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die Geschichte endigt bei Perrault noch nicht mit der weckung und der Hochzeit . Der Prinz hält seines Vaters wegen die Ehe mit der auferweckten Königstochter heim ; erst als dieser gestorben ist , holt er seine Gattin mit den beiden Kindern Tag und Morgenröte , die sie inzwischen geboren hat , in die Heimat . Als er aber mal abwesend ist , will seine dämonische Mutter erst ihre Enkel , dann auch die Schwiegertochter fressen . Der Koch , der sie schlachten soll , rettet die Gefährdeten , indem er die Königin durch Herrichtung einer anderen Speise täuscht ; aber die böse Alte entdeckt seine List und befiehlt , jene drei in ein im Hofe aufgestelltes Gefäss voll Kröten und giftiger Schlangen zu werfen . Glücklicherweise erscheint der junge König noch rechtzeitig , um sie vor diesem schick zu bewahren , und nun stürzt sich die Alte selbst in das verhängnisvolle Gefäss . —
Dass der Inhalt dieser Fortsetzung anderweitig auch in deutscher Überlieferung vorkommt , hat Grimm KHM . III S . 85 unter Hinweis auf das ebenda S . 269 geteilte Bruchstück „ die böse Schwiegermutter " zeigt , welches bis auf den fehlenden Schluss mit Perrault übereinstimmt . Zugleich hat Grimm aber auch auf die Verwandtschaft des deutschen und des französischen chens mit der fünften Erzählung des fünften Tages in Ba - siles bereits 1637 erschienenem Pentamerone „ Sonne , Mond und Ta lia " aufmerksam gemacht , und in der leitung zu Liebrechts Übersetzung des Pentamerone ( lau 1846 S . XII—XVI ) hat er eingehender die deutsche , französische und italiänische Version unter Zuziehung des altnordischen Sigrdrifa - Brynhild - Mythus verglichen . sile erzählt im wesentlichen folgendes .
Einem vornehmen Herren wird bei der Geburt einer Tochter von den zusammengerufenen Weisen und sagern des Königreiches prophezeit , dass dem Mädchen durch eine Flachsfaser ( Agen ) grosse Gefahr drohe . Flachs und Hanf werden nun durch strengste Vorschriften aus