214
läge ruht , scheint mir nach den soeben hervorgehobenen Beziehungen doch trotz Kraus , böhm . Korallen S . 36 fg . nicht abzuweisen . Eine Art Sonnenmythus scheint in Veckenstedts Überlieferung durchzublicken . Dass auch der entsprechende Teil von Suryas Geschichte Beziehungen auf die Sonne gegeben sind , ist gewiss nicht zu bestreiten . Aber wenn die entführte Surya so lange auf dem Baum in dem festverschlossenen Häuschen weilt , in dem nur ein Heerdfeuerchen brennt und gelegentlich verlischt , und aus dem sie nur zwischendurch einmal auf die Welt blickt , so ist bei dem allem gewiss nicht sowohl an den regelmässigen Wechsel von Tag und Nacht als an das Zurücktreten und Verhülltsein der Sonne zur Winterszeit ( der Regenperiode ) gedacht ; und dieselbe Vorstellung wird man mit Suryas Todesschlaf verbunden haben . Im Jahreszeitenmythus aber begegnen sich Sonnenmythus und Vegetationsmythus , und da wir das Mädchen auf dem Baume mit der gleich ihm vom Adler entführten Qálsia gleichsetzen dürfen , so ist auch hier ursprünglich eine Vegetationssymbolik anzunehmen . Über deren eigentliche Bedeutung kann man kaum zweifeln , wenn man die bretagnische Erzählung vom Mädchen auf dem Weissdornstrauch in der oben angedeuteten Weise —• hier im Einklänge mit Spiller — einerseits mit dem chen von Surya , andererseits mit dem vom Dornröschen combiniert . Es ergiebt sich dann , dass das Dornröschen des deutschen Märchens ( die Fleur d'épine in einem chen des Grafen von Hamilton , s . Spiller S . 16 ) eigentlich auf dem Dornstrauche selbst , und zwar dem Weissdorn - strauche , schlafen miisste . Die zeitweilig erstorbene tation wird bei dieser Fassung des Mythus nicht in der Erde , sondern auf dem Baume schlummernd gedacht . Im Winter starren am Weissdorn nur die Dornen hervor , Blätter und Blüten sind geschwunden : Der spitzige Dorn hat den Vegetationsgenius , das schöne Blütenmädchen stochen und in den Todesschlaf versenkt . Wenn aber der Frühling kommt und die Sonnenstrahlen den erstorbenen