Full text: Beiträge zur Volkskunde

217^ 
lebenden und durch die Sonne befruchteten kraft , einer Oáleia , das bedarf keiner weiteren setzung . Das Märchen bestätigt meine Deutung der sprechenden Erzählung im Perceforest wohl zur Genüge . Andrerseits aber zeigt nun doch auch diese Lattughiua eine Feuernatur , die ebensowohl an die Hephästostochter Thalia erinnert wie sie der Abstammung des Lattichmädchens von der Sonne entspricht . Sie kann zur Verrichtung von Wunderdingen dem Feuer gebieten , ihre Hände in siedendem Öl braten , in einen feurigen Ofen hineinkriechen , im Sonnenschein in halsbrecherischen Stellungen balancieren und sie richtet eine Nebenbuhlerin nach der andern dadurch zu Grunde , dass sie sie verleitet das gleiche zu versuchen . 
Eine Verwandte dieses Lattichmädchens und zugleich ihrer im Turme verschlossenen Mutter ist das italiänische Petersilienmädchen ( PetrosinellaBasile II , 2 ) , das sche Rapunzelchen ( Grimm Nr . 12 ) . Dabei stammen diese beiden gewissermassen schon von Pflanzen ihrer Gattung . Denn ihre Mutter hat während der Schwangerschaft silie oder Rapunzel gegessen , die sie , von einem Gelüst ge - fasst , aus dem Garten einer Hexe entwendet hatte . Deshalb wird das Mädchen , welches sie gebiert . Rapunzel oder sinella genannt , und damit über dessen Pflanzennatur ja kein Zweifel bleibe , trägt es bei Basile auch noch ein Mal auf der Brust , das einer Petersilienpflanze gleicht . Die Hexe aber hat durch den Diebstahl der Mutter Gewalt über das Kind erhalten , und sie bereitet ihr nun das Schicksal der Thalia und der Mutter der Lattughiua , indem sie sie in einen im finsteren Walde gelegenen Turm sperrt , der keine Öffnung hat als oben ein kleines Fensterchçn — wieder das zeitweilige Verschwinden des genius im Erdinnern durch eine feindliche Gewalt . Durch dies Fensterchen naht ihr nun auch hier heimlich der Liebhaber , der sie befruchtet , und es ist , als wenn ihm wiederum Sonnenstrahlen dazu den Weg bahnen ; aber die Sonnenstrahlen gehen von Rapunzel—Petrosinella selbst
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.