Full text: Beiträge zur Volkskunde

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aus : es sind ihre sonnengleichen , langen Goldhare , die sie aus dem Fenster bis auf die Erde hernieder hangen lässt und an denen der liebende Königssohn zu ihr klettert . So ist doch hier auch wieder der genius zugleich eine Art Sonnengenius , und es ist dadurch in diesem Falle eine kleine Verschiebung des lichen Motives der Erzählung eingetreten . Die weiteren Schicksale des Mädchens und ihres Liebsten , wie sie nur in der deutschen Fassung erzählt werden , stimmen weise mit denen der Thalia — sie gebiert , von der Hexe in die Einöde Verstössen , Zwillinge — , teilweise mit denen des oben schon angezogenen Iwonek und seines Verwandten , des blauen Vogels . — Sehr deutlich ist auch die Geburt , das zeitweilige Verschwinden und Wiederauftauchen eines Vegetationsgenius in einer mährischen Lokalsage bildlicht , die bei sonst abweichender Wendung doch wiederum in der Verbindung von Licht und Vegetation sich zu den angezogenen Märchen stellt . ' ) Ein Markgraf von Chropin verstösst seine aus niederem Stande stammende Gattin . In einem Gerstenfelde kommt sie mit einem Sohne nieder , der deshalb Jecminek ( Gerstenkorn ) genannt wird . Während sie weiter wandert , wächst ihr Sohn auf und wird Markgraf . Aber eines Abends verschwindet er plötzlich . „ Zu gewissen Zeiten , namentlich am Vorabend des Christ - tages " gehen deshalb Einwohner Cliropins und Preraus bewaffnet von Haus zu Haus und fragen : „ wohin ist minek geraten ? " , worauf ihnen geantwortet wird : „ minek ist verloren gegangen wie ein Gerstenkörnlein . " Alljährlich aber kommt er wieder auf einem von weissen Rossen gezogenen Wagen ; das Riemenzeug ist lauter Gold . Er besucht das Chropiner Schloss , und dessen Zimmer werden dann flanimenhell , wie es noch niemand sonst sehen hat . Dann fährt er auf die Felder , segnet sie und 
' ) Wilib . Müller , Beiträge zur Volkskunde der Deutschen in Mähren S . 15 . Müller giebt der Sage eine ganz verfehlte Deutung ,
	        
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