219
verschwindet plötzlich „ wie ein Gerstenkorn . " Natürlich ist Jecminek die Gerste selbst , die im Winter in der Erde borgen liegt , im Sommer in goldiger Pracht dasteht ; aber das flammenhelle Schloss deutet doch auch hier auf eine Verbindung des Licht - und Vegetationsgenius in der Mythen und Märchen bildenden Phantasie .
Und ähnliches gilt endlich auch für den zweiten Teil des Surya - Märchens . Dass es hier gerade eine blume ist , die aus der ermordeten Surya aufspriesst , ist wohl auf deren Sonnennatur zurückzuführen und auch dem Mangobaum mag man mit Spiller diese Bedeutung beilegen . Aber die doppelte Wiedergeburt des Mädchens in der Pflanze entspricht doch ganz seiner Eigenschaft als Vegetationsgenius , und neben dem verbreiteten Glauben an die Beseelung der Pflanze tritt in ihr vor allem auch die Vorstellung von dem unverwüstlichen , ewig sich neuernden Leben der Vegetation zu Tage . Dieser Teil der indischen Erzählung ist nur ein Glied in einem grossen Märclienkreise , der diese Anschauungen vielfach noch sehr lebendig und deutlich zum Ausdruck bringt . Besonders gehört dorthin das Märchen vom Citronenmädchen , das vor allem in Südeuropa sehr verbreitet ist . In Catalonien ( Wiener SB . pli . h . Cl . 20 S . 54fg . ) , Sizilien ( Gonzenbach Nr . 13 ) , Unteritalien ( Basile 5 , 9 ) , Zakynthos ( Zs . f . Myth , 4 , 320 und B . Schmidt , griech . Märchen Nr . 5 ) , Kleinasien ( Hahn griech . Sagen Nr . 49 ) wird oder wurde es mit weise ganz auffälliger Übereinstimmung erzählt ; aus Frankreich ( Grimm KHM 3 , 308 ) und Rumänien ( Schott , walachische Märchen S . 248 fg . ) liegen etwas dere Fassungen vor ; andere weist Köhler zu Gonzenbach Nr . 13 ( S . 211 ) nach . Ein Königssohn soll dadurch zu einer überaus schönen Braut kommen , dass er sie aus einer von drei wunderbaren Citronen herausschneidet . Es wird ihm aber gesagt , dass er dem aus der Frucht kommenden Mädchen sofort Wasser bieten müsse . Beim Aufschneiden der ersten und zweiten Citrone versäumt er