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( lies , und die heraustretende Schöne verschwindet oder stirbt ; erst die dritte vermag er durch den Wassertrunk festzuhalten . Er verlobt sich mit ihr , muss sich aber nächst aus irgend einem Grunde entfernen und setzt sie auf einen Baum an der Quelle , aus der er sie getränkt hat , damit sie dort seiner warte . Unterdessen kommt eine Mohrin dorthin , welche die Schöne auf dem Baume erblickt und sie durch freundliche Vorspiegelungen leitet sie zu sich hinaufzulassen . Dort sticht die böse Schwarze das Citronenmädchen unversehens mit einer Nadel in den Kopf , und dieses wird alsbald in eine Taube wandelt , die davonfliegt , oder in einen Goldfisch , der in jenem Quell schwimmt . An Stelle des Citronenmädchens auf dem Baume sitzend , beschwatzt die Mohrin den kehrenden Prinzen , dass sie die rechte Braut sei , und er führt sie als Gattin heim . Er wird jedoch auf die Taube oder auf den Goldfisch aufmerksam und fühlt sich sehr zu ihnen hingezogen , weshalb das falsche Weib sie töten lässt und sie verspeist . Aus den Überbleibseln aber wächst ein Baum auf , aus dessen goldiger Frucht die rechte Braut wiederum hervorkommt ; oder es entsteht ein Rosenstrauch , und beim Abschneiden einer Rose springt sie heraus ; oder der Baum wird verbrannt bis auf einen Spahn , den ein altes Mütterchen mitnimmt , und aus diesem tritt dann dio Schöne wieder zu Tage . Der Königssohn wird wieder mit ihr vereint , die Mohrin getötet . — Die Pflanzennatur des Mädchens kommt in diesen Traditionen noch so deutlich wie möglich in dem Zuge zur Geltung , dass die eben aus der Frucht Entsprossene nur durch das Tränken mit Wasser am Leben gehalten werden kann ; ebenso aber auch in ihrer Wiedergeburt aus Frucht , Blüte oder Stamm ; auch das an das Weissdornmädchen erinnernde Erwarten des Liebsten auf dem Baum kommt in Betracht . Es ist ein offenkundiges Vegetationsmärchen , welches als solches geeignet ist eine durchaus organische , wesensverwandte Fortsetzung des Thalia - Dornröschenstoffes zu bilden . Und