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diese Function hat es in der indischen Erzählung nommen . Denn natürlich hängen die vom Baume geholte , von der eifersüchtigen Nebengattin getötete und in einem neuen Baume wiedergeborene Surya und das Citronenmädchen auf das engste zusammen . Sogar in einem nebensächlichen Zuge scheint eine Beziehung zwischen einigen Fassungen des Märchens vom Citronenmädchen und dem von Surya - Bai zu bestehen . In den griechischen Versionen ist es nämlich ebenso wie in Miss Freres zählung ein altes Mütterchen , bei der das Mädchen aus der abgepflückten Rose oder aus dem Spaline wieder zum Vorschein kommt . Ja , in der kleinasiatischen Fassung bei Hahn nimmt die Alte das wiedergeborne Baummädchen sogar als Tochter an , ehe es mit dem Königssohn wieder vereint wird ; sie wird also die Mutter der Heldin , wie es die Milchfrau im indischen Märchen ist . — Die Mörderin des Pflanzenmädchens aber , die hässliche Mohrin , erscheint wie die Verkörperung der finstern , schlechten Jahreszeit , sodass denn Vegetations - und Lichtmythus auch in diesem Märchen schliesslich wieder dicht bei einander liegen .
Noch mehr tritt diese Combination in einer Erzählung desselben Kreises hervor , die in anderer Weise werte Beziehungen zur Thaliatradition zeigt . Es ist das Märchen von den goldenen Kindern bei Schott S . 121 fg . Ein junger Mann heiratet ein hübsches Mädchen , das ihm verspricht goldeue Kinder zu gebären ; seine frühere , um ihretwillen verlassene Braut nimmt er auf deren Bitten als Dienstmagd zu sich . Als für die Frau die Zeit des Gebärens naht , lässt sie sich nach dem Rate dieser Magd auf dem Boden des Hauses ihr Bett aufschlagen . Dort in der Abgeschiedenheit kommt sie mit zwei goldenen Knaben nieder . Unbemerkt ermordet die eifersüchtige Magd die beiden Kinder und vergräbt sie an einer Mauer im Hofe , während sie einen jungen Hund in die Wiege legt . Dann zeigt sie die vorgebliche Missgeburt dem Hausherrn an , der nun seine Frau verstösst und die Magd