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Keime für die Fortsetzung unseres Dornröschen - märehens liegen sclion im alten Thaliamythus . Schon das Wesen des Vegetationsmythus als solches legt es nahe , die Erzählung vom einmaligen Absterben und leben der Vegetation variierend zu wiederholen . Aber wir haben auch Zeugnisse dafür , dass bereits das Altertum von Nachstellungen der eifersüchtigen Frau ( Hera ) gegen die Kinder , die der Gatte ( Zeus ) mit dem Vegetationsmädchen ( Thalia ) gezeugt hatte ( die Paliken ) , zu berichten wusste . So sahen wir schon , dass Servius eine Version erwähnt , nach der Jupiter einen der Paliken propter Junonis iram in einen Adler verwandelte und ebenso gedenkt er einer Variante des Mythus von der Einschliessung der Thalia , derzufolge Jupiter ihre Kinder nach der Geburt in der Erde geborgen hätte , um sie Junos Nachstellungen zu ziehen . Also sowohl Versionen , nach welchen die Kinder des Vegetationsmädchens durch Verwandlung , als solche , in denen sie durch Verbergung und Entrückung den schlägen der eifersüchtigen Gemahlin entgehen , konnten unmittelbar aus den alten mythischen Erzählungen von der Thalia hervorgehen und durch Anlehnung an hafte Traditionen verwandten Inhalts ausgestaltet werden .
Nach alledem hat das Märchen vom Dornröschen etwa folgenden Entwickelungsgang genommen . Seine erste Grundlage bildet ein Mythus von einem weiblichen tations - und Wärmegenius , der durch den obersten Gott in Adlergestalt ( auf einen Baum ? ) entführt , befruchtet und wegen der Nachstellungen seiner eifersüchtigen mahlin eine Zeit lang unter der Erde geborgen wird , von wo dann ihre Kinder — Vegetation und vulkanische Sprudel — ans Tageslicht treten und so auch das Leben der Mutter wiederum kund tun . Die weitaus älteste Form
erzählt . In dem entsprechenden griechischen bei Hahn Nr . 21 ( Das Lorbeerkind ) ist es aber ein goldener Lorbeerbaum in dem sie weilt ; seine Zweige glänzen wie die Sonne ; und so tritt sie selbst später auf , wie die Sonne leuchtend im blendenden Glänze goldener Kleider .