Full text: Beiträge zur Volkskunde

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dieser Tradition bildet der griechisch - sizilische Mythus von der Hephästostochter Thalia und den Paliken . Nahe wandt ist ihm der nordische von Loki , dem Gotte , der unter der Erde in " Weibesgestalt Vegetation und heisse Quellen gebiert . Teile der alten gemeinsamen mythischen Grundlage treten auch in dem Mythus von Odin und Bryn - hild ( und von Odin und Gerd ? ) hervor . — Die märchenhaften Fassungen brauchen nicht auf eine gemeinsame Grundlage mit dem griechischen Thaliamythus , sondern nur auf sen selbst zurückgeführt zu werden . Am verhältnismässig treuesten folgen ihm die Versionen der Gegenden , die seiner alten Lokalisierung am nächsten lagen , Siziliens und italiens . Von dort wird sich das Märchen sowohl über das übrige Europa wie zu den Arabern verbreitet haben . Gerade über die Märchensammlung , die das arabische Dornröschen enthält ( Guill . Spitta , Contes arabes modernes Leide - Paris 1883 Nr . 8 ) bemerkt Gust . Meyer , Essays S . 186 mit Recht , dass sie mit griechischen , albanesischen , sizilianischen Märchen ganz besonders auffallende rührungspunkte zeige . In der Tat hat auch das röschenmärchen hier eine Gestalt , die sich ganz leicht aus der unteritalischen , nicht aber aus der indischen Fassung ableiten lässt . Auf welchem Wege das Märchen nach Indien gelangte , ist nicht sicher festzustellen . Die bische Version kann so , wie sie bei Spitta überliefert ist , das Mittelglied nicht gebildet haben . Der zweite Teil des indischen Märchens lässt sich auf die kleinasiatische sung des Märchens vom Citronenmädchen zurückführen . — Mannigfache Veränderungen hat der Stoff bei seiner bildung und Verbreitung erfahren . Sie sind teilweise durch die Grundmotive des alten Mythus selbst veranlasst , fern diese verschiedene Auffassung und Ausführung zu - liessen ; teilweise durch Varianten des Thaliamythus , die uns schon durch antike Quellen bezeugt sind ; teilweise durch Einwirkung verwandter Mythen und Märchen . Denn das zeitweilige Verschwinden und Wiederauftauchen der 
Germanistische Abhandlungen Heft XII . 15
	        
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