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Vegetation , mit deren Schicksal das des Lichtes und der Wärme eng verbunden ist , hat wieder und wieder die mythisch und poetisch anthropomorphisierende Phantasie angeregt und so eine grosse Familie mehr oder minder nahe verwandter Überlieferungen erzeugt , die einander vielfach beeinflussen konnten .
Welche jener drei Wandelungsursachen im einzelnen Falle vorliegt , lässt sich nicht immer entscheiden . schiedene Ausführung eines alten Grundmotives zeigt sich in der sehr verschiedenen Darstellung des Aufenthaltes der schlummernden Jungfrau . Wenn dabei an Stelle des verschlossenen Ortes , an dem sie sich befindet , auch ein Baum treten kann , auf dem sie schläft , so sahen wir , wie diese Variante in der Natur des Mythus als mythus begründet ist , die auch jüngeren Fassungen weise noch lebendig bewust bleibt . Vielleicht ist auch das Adlermotiv dieser Entwickelung besonders günstig wesen . — Der Todesschlaf konnte eine selbstverständliche Folgerung aus der mythischen Versenkung der Jungfrau in die Erde sein . Vermutlich aber wird er in der ältesten Form des Mythus auch noch ausdrücklich ausgesprochen gewesen sein , wenn auch die dürftigen Zeugnisse der alten Schriftsteller über Thalia und die Paliken ihn nicht wähnen . Er ist , von diesen abgesehen , allen Fassungen gemeinsam . In slavischen Versionen wird er durch eine Rute oder einen Zauberstab , sonst durch einen Stich vorgerufen , und zwar durch einen Dorn in der Edda und in einem inhaltlich ferner stehenden westfranzösischen Volkslied ( Spiller S . 19 ) , sowie im zweiten Teil der dischen Mischversion ( oben S . 211 ) und unter Verschiebung der betroffenen Personen in der bretagnischen und in der armenischen Fassung ( Spiller S . 18 . 25fg . ) ; 1 ) in den meisteu
* ) Merkwürdig ist das griechische Märchen bei B . Schmidt Nr . 6 , in welchem die Königstochter durch eine Lamnissa entführt und in einen Turm gebracht wird , wo sie alsbald in Schlaf sinkt , ohne dass ein besonderes Mittel dabei erwähnt würde . Aber ein Dornstich spielt