Full text: Beiträge zur Volkskunde

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böse erreicht ihn , indem sie sich am Dornstrauch ritzt und so die Spule mit ihrem Blute tränkt . Der Stich mit dem Schlafdorn spielt in der nordischen Sage auch halb des Briinliildenmythus eine Rolle . 1 ) Im Grunde mag die Herbeiführung des todähnlichen Zustandes durch einen Stich ihre Ursache in der physiologischen Tatsache haben , dass ein solcher wenigstens an der Stelle , an der er bei Basile und in der arabischen Version erfolgt , lich unter dem Fingernagel , wirklich Starrkrampf , also Scheintod zur Folge haben kann . So kann also das Motiv des Scheintodes als eine weitere poetische Folgerung das des Stiches leicht nach sich gezogen haben . Und wenn diese verhängnisvolle Verletzung in den meisten Fassungen unseres Märchens durch das Spinngerät erfolgt , so könnte auch das seinen natürlichen Grund haben , da die Frauen beim Spinnen als ihrer Hauptbeschäftigung am ehesten Gelegenheit hatten , sich eine solche Verwundung ziehen . Doch scheint innerhalb des Thalia - Dornröschen - kreises das Motiv in dieser Form mit dem Auftreten der Schicksalsfrauen zusammenzuhängen . Denn nur dieVersionen , welche die Schicksalsfrauen selbst oder als deren jüngere Stellvertretung die anderweitige Prophezeiung einführen , kennen auch den Stich durch Spindel oder Elachsfaser . Das Spinngerät aber ist das alte Attribut der Schicksalsfrauen . Das Weib , durch welches die Jungfrau es erhält , um sich den schlafbringenden Stich zuzuziehen , ist doch wohl eigentlich die beleidigte Fata oder Moira selbst . Erst mit der Einführung der Schicksalsfrauen an Stelle des Gottes ( oben S . 210 ) wird also Spindel und Flachs das Werkzeug für die Betäubung geworden sein . Ob nun Odins Schlafdorn mehr Anspruch auf Ursprünglichkeit hat , ob er wirklich schon dem Grundmythus angehörte , oder ob 
' ) Vgl . Oerings Eddaübersetzung' S . 212 Anni . 1 , Maurer , isl . sagen S . 286 . Jiriczek , Amlethsage oben S . 81 ; Jüngere Bósa - Saga S . 128 . 129 ; Mannhardt , germ . Mythen 613 fgg .
	        
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