Full text: Nur ein Geiger

Nur ein Geiger. 
Freiheit und konnten ihren Weg über Wiesen und durch 
Wälber nehmen. Der Maler kann uns wohl das Farben— 
spiel eines schönen Sommertages wiedergeben und selbst 
Fie warme Luft fühlen lassen, aͤber er ist nicht im Stande, 
den Wohlgeruch hervorzubringen, welcher auf unser Wohl⸗ 
sein ebenso behaglich wirkt Hie die Form und Farbe des 
Gegenstandes — den aromatischen Duft des Flieders und 
der Weißdornblüthen, wie den von den grünen Blättern 
der wilden Rosenhecke. Die Sperlinge zwitscherten und 
der Schneider sang mit, wie er in der Fremde gesungen 
atte. 
h „Reise zu Fuß, reise zu Fuß! 
Da verstehst Du Menschengruß! 
Reise zu Fuß!“ 
jodelte er wieder lustig, und war bald in der Erzählung 
seines Wanderlebens jenseits der Donau und des Po 
begriffen. 
„Ei sieh, dort fliegt ein Storch unterbrach er sich 
selbst. Ach, mein armer Storch kam doch nicht mehr 
zurück; ob er aus Schmerz über den Verlust des Weibchens 
ind der Jungen gestorben sein mag, oder ob er noch auf 
der Reise ist, um sie zu vergessen? Gott verzeihe mir, 
aber ich glaube, daß man auf der Wanderung jeden Verlust 
verschmerzen kann!“ 
„Das meine ich auch,“ sagte der Feldwebel. „Des— 
wegen habe ich Euch nie meine Meinung sagen mögen, 
wenn Eure Frau es hörte; sie hätte sonst etwas wider 
mich haben können! Ihr solltet ein tausend Thaler 
nehmen, soviel gibt in dieser Zeit mancher Bauer, um 
seine gute Heimath nicht zu verlassen; Einer muß ja an 
seine Stelle geschafft werden. Von dem Gelde, daß Ihr 
bekämt, könnten Marie und der Knabe gut leben. Ihr 
würdel Unteroffizier, kämet wieder nach fremden Ländern, 
und das ist es doch, wofür Ihr allein lebt. Es ist eine 
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