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Es folgen nun weiter Belehrungen über das Benehmen beim Eintritt in eine Werkstatt , gegenüber dem Meister , dem Herrn Vater , der Meisterin , der Frau Mutter , über den Meisterstöchtern , den Schwestern , und den sellen , den Brüdern , sowie über den Aufenthalt auf der Herberge . Hierauf schleift er ihn zum dritten Male . Ver - haltungsmassregeln über das Arbeiten selbst , über die Auflage und anderes leiten zum Schluss über : „ Nun so gebet mir ein Glas Bier herauf ! " spricht sodann der Schleifpfaffe und gibt dem Getauften einen guten Haarrauf mit den Worten : „ Diese Haar - Rauf , die ich gebe dir , die leide von keinem andern als von mir , 1 ) und trinke dir zu ein gut Glas Bier auf eine glückliche Wanderschaft und eine fröhliche Wiederkunft ! "
Sind nun beide vom Tische heruntergestiegen , so tut der Schleifgeselle wiederum dreimal die Umfrage , ob etwan ein Meister oder Geselle vorhanden sei , der etwan was wüsste , dass er in diesem seinem Schleifen etwan was möchte gefehlet haben , der wolle jetzund aufstehen , solches anmelden und hernach still schweigen .
Nachdem nun beide einen „ Abtritt genommen " , treten sie nach dreimaligem Anpochen wieder ins Zimmer , und die Feier schliesst mit den Worten : „ Guten Tag , Glück herein , Gott ehre ein ganz ehrbar Handwerk . Zuvor habe ich hereingebracht einen Ziegensclmrz . Ich verhoffe , ich werde einen ehrlichen Gesellen hereinbringen . Ist etwan einer da , der besser geschliffen ist als dieser , so wollen wir sie miteinander unter die Bank stecken , und wollen wir sie wieder ( hervorziehen , so werden sie alle beide gut geschliffen .
Ich sage mit Gunst , günstige liebe Meister , derselben
' ) Bei den Seifensiedern kriegt der Lehrling eine Ohrfeige : Mit Gunst und Erlaubnis erleidest du dies von mir und keinem andern , und wäre er noch so alt und hätte er einen Bart bis auf die Schuh , so trinkst du ihm zu mit du und du ! ( Nach mündlicher Mitteilung aus Jauer . )
Germanistische Abhandlungen Heft XII . 3