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fangen ; die Klugheit verliess ihn , alle Scheu wich von ihm und er sprach : 1 )
„ Du raubtest Körper mir und Geist und machst zum blossen Schatten mich durch Deinen Blick . Giebst Du des Siechen Herz zurück , wird doppelt Dir , was Du erhoffst . "
Da senkte Gamila lange ihren Blick , dann aber sprach sie : „ Wehe Dir , bist Du nicht der , dessen Frömmigkeit gerühmt und dessen Gottesfurcht gepriesen wird ? " Er erwiderte : „ Gewiss , aber das Feuer Deines Antlitzes hat mich versengt ; so schenke mir wenigstens ein Trostwort , an dem ich mich in meiner Gebeugtheit aufrichte . Ich flehe Dich um Hilfe an " . Gamila aber sprach : „ Hebe Dich hinweg von mir , du scheinheiliger Schurke " . Da ging er von ihr mit bekümmertem Herzen ; Gamila aber überlegte , wie sie zu ihrem Rechte komme .
Zuerst wollte sie nun zum Könige gehen , um ihre Klage anzubringen ; aber da wurde sie nicht vorgelassen . Da wandte sie sich an den Kammerherrn und klagte ihm ihr Leid . Der fand nun aber Gefallen an ihr und widerte ihr : „ Ich will nicht , dass der Glanz Deines litzes verdunkelt werde ; nicht ziemt ein solcher Streit für Dich . Empfange lieber die doppelte Summe von mir für Liebe im Vertrauen . " Da sprach Gamila : „ Schmach ist für eine edle Frau , in schlimmen Verdacht zu gerathen " und wandte sich ab . Nun ging sie zu dem Obersten der Leibwache und brachte ihre Klage an ; aber auch er wurde von ihrer Schönheit bestrickt und erwiderte ihr : „ Deine Klage gegen jenen frommen Mann kann nur auf Grund zweier gültiger Zeugen zu Deinen Gunsten entschieden werden ; ich will Dir aber die streitige Summe geben , wenn du mir insgeheim eine Zusammenkunft gewährst " . Gamila verüess ihn und ging zum Kâ<j . i . Während sie ihre Klage vorbrachte , nahm sie aber sein Herz ein , so dass er beinahe von Sinnen kam , indem er sie bewunderte
' ) Verse .