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und er sprach : „ 0 Trost meiner Augen , dir kann Niemand widerstehen ; gewähre mir eine Zusammenkunft , und alle Schätze der Welt sollen Dein sein " . Da lief sie davon .
Nun aber dachte sie auf eine List , um ihr Vermögen zu erhalten . Zuerst schickte sie zu einem Tischler und gab ihm auf , einen Schrank mit drei Abtheilungen zu machen , jede mit einer besonderen Thür . Als er fertig war , schickte sie die Sklavin zu dem Kammerherrn , er solle in der Dämmerung zu ihr kommen , sodann zu dem Obersten der Leibwache , er möge am frühen Morgen bei ihr erscheinen , darauf zum Kâdi , dass sie ihn mehrere Stunden nach Sonnenaufgang erwarte , und endlich zu dem frommen Manne , er solle Mittag kommen . Der herr kam an ; sie ging ihm entgegen , aber kaum hatte sie begonnen , mit ihm zu sprechen , als die Sklavin kam und meldete : „ Der Oberste der Leibwache ist draussen " . Da sagte Gamila zu dem Kämmerer : „ Kein anderer Versteck ist hier im Hause als dieser Schrank ; also tritt da ein ! " Als er hineingegangen war , verschloss sie die Thür . Nun kam also der Oberst der Leibwache . Gamila ging ihm freundlich entgegen und plauderte mit ihm eine Zeit lang . Aber da kam die Sklavin wieder und meldete : „ Der Kâdi steht vor der Thüre " . Da rief der Oberste schrocken aus : „ Wo soll ich mich verbergen ? " Gamila aber zeigte ihm den Schrank , er versteckte sicli in einer Abtheilung und sie schloss die Thür ab . — Als nun der Kâdi eingetreten war , sprach sie : „ Willkommen " und be - griisste ihn mit freundlichem Lächeln . Sie sprach eine Zeitlang mit ihm , da erschien wieder die Sklavin und meldete : „ Der fromme Mann stellt draussen " . Da sagte der Kâdi : „ Könntest Du den nicht abweisen ? " Sie aber erwiderte : „ Es ist unmöglich " . Da fragte er : „ Und was fange ich nun an ? " Da zeigte sie ihm den Schrank und sagte : „ Ich werde Dicli in diesem Schranke verstecken . Dann höre auf das , was er sagen wird und Du kannst dann Rechtens über meine Klage entscheiden " . Er willigte