Fünfzehnter Brief .
Fahrt nach Westcnhever . Gcfahrdeiche daselbst . Ver« theidigungöanstalttn . Gesichtstrug .
Tönning .
Liebster Onkel .
@o bald ich aus den Dünen mich herausgemocht und meine Schreibtafel in Ordnung gebracht hakte , war ich willens , mein Tagewerk für daömal zu endigen . Ich fühlte mich ermüdet , ob ich gleich , der vielen interessanten Scenen wegen und der warmen Theilnehmung daran , auf meinen Körper wenig acht gehabt hatte , und mein lieber Gefährte , dem Dünen und Watten und Deiche gleichgültiger waren als mir , hatte feine Neugierde gesättiget , und wünschte Ruhe . Aber weil die Wasserzeit mir recht gelegen war , so daß ich noch bey der letzten Ebbe , oder auch in der ersten Fluthstunde , auf den Westhever Deich feyn konnte , den zu besehen ich sonst noch einen Tag hatte verwenden müssen , so entschlossen wir uns , diese Tour den Nach - mittag noch mitzunehmen . Wir fuhren also fort . Der Weg geht größtentheils oben auf den Deichen . Aber der Wind statt mit dem Niedergang der Sonne nach , zulassen , nahm zu , und ward beynahe Sturm . Wir hatten einen ziemlich hohen Wagenstuhl , der nicht her« untergeschlagen werden konnte ; dieser ward zuweilen so stark auf die Seite gestoßen , daß es doch nicht unmög» lich schien , vom Deich herunter geworfen zu werden , und unferm Fuhrmanne ward bange . Wir kamen bey einem Wirthshause an , ich frage den Wirth , ob so ein Zufall bey einem solchen Winde wohl zu befürchten fey ? Der Mann gab die sonderbare Antwort : es habe nichts zu bedeuten , der alte Eyderstedtische Deichgrafe fey vor einiger Zeit bey einem solchen Winde ganz artig mit
seinem