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müthig , und auf ihrem fetten Boden und ihrem Rest von Freyheit etwas stolz . Das feinere Frauenzimmer hat eine blasse Wasserfarbe mehr als anderswo . Die jetzigen Eyderstedter sind ein vermischtes Volk . Der alte Stamm ist friesisch , aber es sind so viele fremde Reiser aus Holland , und sonst ihm eingepfropft , daß jener nicht mehr kenntlich ist . Die friesische Sprache ist ganz aus dem Lande weg , aber die Landessprache , welche im Ganzen dag gewöhnliche Niedersächsische ist , hat doch manches eigene in den Wörtern und in der Verbindung , und ist von der jenseit der Eyder in Dithmarschen eben so verschieden , als die Menschen selbst hier und dort es sind . Den Unterschied der Menschen aber glaubte ich in meinen jungem Iahren , als Lavater noch keine Physiognomie geschrieben hatte , so genau gefaßt zu haben , daß ichö jedem mit dem er - sten Blick e6 anzusehen mich getraute , auf welcher Sei - te der Eyder er zu Hause gehöre . Allein sei ) es nun , daß ich jetzo nicht mehr so scharf fühle , oder nicht so leicht mehr phantasire , denn die höhere Lavatrische Physiognomie scheint mir ein Studium zu seyn , wozu «in Mensch vor seinem dreyßigsten Jahre nur recht auf» gelegt ist ; genug , es wird mir jetzo schwer , das Ge« Meinbild eines Eyderstedters und eines Dithmarschers , so viele Individuen ich auch kenne , so fest zu halten , daß ich das Charakteristische des einen von dem andern beutlich angeben könnte . Im Ganzen kommt mirS vor , der Dithmarscher sey von Natur mehr klein und untergesetzt , der Eyderstedter länger und schmaler . Je« ner ist mehr geschmeidig , dieser steifer und fester . Leb« hafker jener am Geist und freundlicher , nachdenkender und ernsthafter dieser . Nach der alten Temperaments» Topik könnte man sagen , daß zu dein cholerischen Tem - perament von beyden , bey dem Dithmarscher ein kerer Strich vom sanguinischen , und bey dem Eyder -
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