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mehr eine geistliche Empfindeley , als Menschenverstand und aufgeklärte Religion befördern .
Die Herrenhutische Frömmeley scheint sich in diesen Gegenden zu verbreiten . Sie wirkt von Chri« stiansfelde aus , als von ihrem Mittelpunct , nach allen Richtungen , zu Süden , Westen und Norden . Ver« schiedene Landgeistliche , zumal ältere , gewinnen die Brüdergemeine lieb , und empfehlen sie . Eine ganz - liche Vereinigung mit ihr ist noch nicht häusig ; aber es finden sich hie und da Gesellschaften , die in Verbin - düng mit ihr stehen , und unter sich ihre Zusammen - künfte haben in dem Geist der Gemeinde . Man hat Beyspiele , auch von Predigern , daß man nach Chri - stiansfelde gereiset ist aus Neugierde , aber zurückgekehrt als Profelyt . Religieuse Empfindeley sticht an , wie jede andere . Es ist ohne Zweifel viel Gutes in der Verfassung der Gemeinde , und das Gute , zumal in ih - ren Andachtsübungen , wirkt machtig auf Sinne und Phantasie . Das Schwache , das Nachtheilige und Schädliche wird nur durch Reflexion entdeckt . Was Wunder , daß Menschen von religienftr Sinnesart ein - genommen werden ? Ein gewisser Mann sagte mir , daß in diesen Gegenden eine Versandung der Vernunft noch mehr zu befürchten sey , als ich eine Versandung des Bodens in Jütland von den Dünen befürchten könne , davon ich eben vorher mit ihm geredet hatte . Aber hierüber können wir uns , wie ich meine , bmihi - gen . So lange die weife Verordnung unserer Regie« rung besteht , daß jeder dortige Prediger und jands - bedienter in Kiel zwey Jahre studirt haben muß , hat es damit hoffentlich nichts zu bedeuten . Dieß ist ein ziemlich starker Damm gegen Mysticismus . «eben Sie wohl .
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