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Fünf und dreyßigster Brief .
Deichsand . Wie die unbedeichten Marschlander von den Alten haben bewohnt werden können .
Brunsbüttel .
Liebster Gnkel .
©estern bin ich nach der Insel Deichend hinaus gewesen . Sie liegt ccwan sünsViertelmeilen von dem eingedeichten Lande ab . Das ist auch eine Tour , die man einmal aus Neugierde macht , aber nachher nicht mehr , als aus Noch oder Pflicht . Ich Harle das Halls , was darauf sieht , und in Dichmarschen das einzige außer dem Deich ist , so oft inö Gesicht gehabt , als ich die Außendeiche besuchte , daß ich natürlich just hatte , auch einmal dahin zu kommen . Man kann bey stillem Wetter , zumal wenn der Wind Ost ist , zur Ebbezeit dahin fahren . Es wird das Heu von dorther zu Wogen herüber gebracht . Aber eine günstige stille Witterung ist dazu nöthig . Man muß einige nen Yassiren , worunter eine das große Loch heißt . Hier trifft man ein , wenn das Wasser am niedrigsten ist , und fahrt durch , ehe die Fluth wieder eintritt . Das war dießmal deS Morgens . Nach zwölf Stunden kamen wir wieder zurück . Wer zu früh kommt , kann ' warten , bis das Wasser mehr abgelaufen ist , aber man darf nicht zu spat kommen , und sich nicht leicht hinein wagen , wenn es schon im Fluchen ist . Es fluchet schnell und der Strom wird in solchen Löchern stark . Haben die Aegyptier , wie mir nachher Nieduhr sagte , eine solche Unvorsichtigkeit begangen , und sind den Israeliten , welche den Meerbusen schon hindurch waren , nachgezogen , weil sie ihn noch trocken , oder doch mit niedrigem Wasser bedeckt fanden , so konnten sie ganz
natürlich