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Neun und dreyßigster Brief .
Theorie und Praxis im Wasserbau . Ihre Bejiehuuz auf einander .
Brunsbüttel .
Liebster Onkel .
6t« sehen aus meinen letzten Briefen , daß ich in dem hiesigen Höfterproceß der Defensor der In« hui fiten seyn werde . Ich habe meine Meinung schon iuPapier gebracht . Ich habe sie gerade herausgesagt , toch mit der Kalte eines Richters , nicht mit der ^ärme eines Sachwalters . Das Kaltbleiben kostete Hiich doch etwas Zwang ; denn im Grunde wurmte es nüch ein wenig , daß um einer solchen Frage willen , als diese : ob Höfter schädliche oder nützliche Werke sind ? eine große kostenspillige commissarifche Unter - suchung angestellt weiden müssen , und das in dieser vernünftigen Landschaft . Aber was soll man sagen ? Man muß den Menschen auch mit seinen kleinen Leidenschaften entschuldigen , wenn nur keine Bosheit Merklich wird . Diejenigen , welche anordnen sollen , Erstehen die Sachen nicht und müssen andern folgen , toip Sachkundige sind , oder seyn wollen . Auch diese können nach ihrer besten Einsicht rathen und doch miß» leiten . Wer nichts von einer Sache versteht , den ein guter Genius leiten , wenn erö mit seinem Zutrauen zu andern recht treffen soll . Genug ich habe Olle Empfindlichkeit unterdrückt , und bey der Abfassung deines ErachtenS das lorürer in re , motlicer in modo , Ostens beherziget .
Aber ich weiß es recht gut , daß es dießmal nicht gefällige Wahrheit sey , die ich sagen werde . Ich höre die Distinction zwischen Theoretiker und pra ? ctiker hier »st und lebhaft «inscharfen , und jene als
eine