243
Ich . Es zu suchen , würde ich auch für sehr un« nütz halten . Aber die Gründe , lieber S . , warum Sie die Eingenommenheit gegen die Theoretiker ver« nünftig finden ? lassen Sie uns darüber noch ein we« nig mehr sprechen . Die Sache ist , wie Sie sehen , sehr praktisch , wir wollen also darüber sprechen , als wenn wir vor dem Richterstuhl des geraden Menschen« Verstandes nnsers gegenwartigen Freundes unsere Sa« 'chen auszumachen hatten . Ich werde es nicht wagen , ' ihn etwas hören zu lassen , was ich mir nicht selbst vor - sagen mögte , in der Stunde der kältesten Ueberlegung .
S . Ganz wohl , Nun bin ich etwas schlimm daran . Ich habe die Hydrotechnik leider nicht studirt , es hat mich oft gereuet , und habe nur ein wenig Kennt - niß von unserer Praxis aus meinen eigenen hiesigen Beobachtungen und dem , was man nebenher von an« dern hört . Sie werden mir erlauben , daß ich mich der Analogie bediene . Ich kenne einigermaßen Theo« rie und Praxis in derNechtskenntniß , und in der Oeco« nomie . So wie ich da finde , daß sich Theorie zur Praxis verhält , muß ich mit Ihrer Erlaubniß anneh« men , daß es in unferm Wasserbau auch sey .
Ich . Immerhin . Nur könnte ich zuweilen doch gegen dieses analogische Raisonnement protestiren müs - sen . Die Hydrotechnik ist eine mathematische Wissen« schaft , und Sie wissen , die Mathematiker haben , so bald es auf den Punkt von Gewißheit und Zuverlaßig« keit ankommt , eigene Anmaßungen . Doch hoffe ich , davon werde dießmal nichts abhangen .
S . Es wird in dieser Wissenschaft nicht anders seyn , als in den übrigen . Ein guter Theoretiker ist selten ein guter Practiker ; und auch umgekehrt , wer ein guter Practiker ist , hat selten starke theoretische
Einsichten . Theorie und Praxis erfordern jede ihren
eigenen