Drey und vierzigster Brief .
Aussicht über die Elbe ju Brockdorf . Reise von Bruns , büttel dahin .
Brockdorf .
Liebster Onkel .
estern gegen Abend komme ich , von verschiednen Freunden aus Brunsbüttel begleitet , so zeitig noch hier , daß ich die herrliche Aussicht über die Elbe dem Saal , wo ich dieß schreibe , genießen konnte . Ich kann mich jcho noch nicht satt daran sehen . Das Haus liegt dicht hinter dem Deich . Das Wasser , was gestern des Windes wegen etwas unruhig war , schlug an die Steinbanke aus der äußern Deichsseite , daß es oftmals an die Fenster des Zimmers sprüht» . Ich habe die Elbe schon oft gesehen , oft mich an dem tiefen , breiten , unaufhaltsam und majestätisch dahin schreitenden Flusse ergötzt ; aber so groß und schön habe ich die ? lussicht über ihn hin noch nicht gehabt . Der Fluß ist hier etwas schmaler , als bey Brunsbüttel , doch noch dreyviertel Meilen breit . Man sieht das gegenseitige Ufer gerade vor sich deutlicher als dorten , und zur Seite hat man die unbegrenzte Aussicht über den Fluß weg in die See . Gestern hatte ihn die Un» ruhe im Wasser etwas trüber gemacht , als er sonst ist , ober zugleich auch den Eindruck gestärkt . Die Menge der Segel , die immer auf und nieder gehen , geben den reizendsten Anblick ; man fühlt , so zusagen , wie viel Wohl und Segen der Fluß seinen Usern zuführe , «nag «r uns denn dafür immerhin an unfern Deichen etwas Mühe machen . Am Ende ist er auch so böse nicht , wenn wir ihn nur recht kennen lehnen . Für mich hat oußerdieß auch das bloße Anschauen der Fluth und Ebbe ktwas unterhaltendes . Im ganzen , im allgemeinen
S 5 hat