Full text: Reisen in die Marschländer an der Nordsee zur Beobachtung des Deichbaus (Erster Band)


Aber hier war etwas , das sich auszeichnete . Ich machte , wie natürlich , der Frau des Hauses , welche die Großmutter des Täuflings war , Komplimente dar - über . Wenn ich so etwas , antwortete sie mir , wohl sehen mögte , so wolle sie mich in ein anderes Zimmer führen , wo sie ihr Bestes stehen hätte . Wirklich war das ausnehmend und über meine Erwartung . Nach« her erfuhr ich , daß man des Mannes Vermögen auf i00 , 000 Rthlr . schähe , und man versicherte mich , daß es noch mehrere gebe , die ihm nicht viel nach« stünden . 
Im Ganzen finde ich die hiesigen Menschen so , wie ich sie gleich bey meiner Hierkunft gefunden hatte . Lebhaft , munter , mehr als ichs noch irgend in einer Marsch bemerkt habe , von vieler natürlicher Erßn« dungökrast , und von feinem und gewandtem Verstände , arbeitsam , offen , gesprächig , und was beym Mangel an Kultur des Geistes so natürlich damit verbunden ist , ruhmrathig , und bey den rohern , prahlend . Das letztere 5 auch mehr , als ichs anderswo bey Marschbewohnern 
gesunden habe . Mit den gesetztem , bescheidnen , und h mehr in sich still überlegenden Süderdithmarschern ma« y . - v ' chen sie einen eigenen Contrast , der vielleicht etwas zu ^ der Antipathie beytragt , die zwischen diesen Nachbarel , 
noch nicht ganz ausgehött hat ; denn man befehdet sich noch immer einander vor dem Richter . Das ist der alte Krieg auf eine andre Art * ) . Sie lieben sich nicht» Das ist wechselseitig . Aber der Dithmarscher kennt mehr ven »£>oHj } en , ( so heißen die hiesigen Marschein - wohner in Süderdilhmarschen , ) schätzt seine Betrieb« samkeit und beneidet ihn , weil dieser öfters bey seinen kühnen Unternehmungen , die jener nicht wagt , glück« 
lich 
* ) Ietzo ist , so viel ich weiß , der Streit ju Ende . 
	        
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