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nicht mehr genau nehmen zu wollen . Diese Vernunft ist bey weitem noch nicht allgemein im Lande . Sie kennen Assembleen genug , bey denen als Grundregel angesehen wird , was mit dem ersten Grundgesetz einer wahren vernünftigen gesellschaftlichen Unterhaltung un« bestehbar ist . Doch das ist ein langes Kapitel , wa§ in eine Monatsschrift hingehört . Man muß sich auch für einseitigen Urtheilen hüten . Der Mittelstand ist so geneigt , den höhern zu tadeln , als dieser ist , jenen zu verachten . Jeder hat seine eigene Standesthor« Heiken , Eitelkeit ist allen gemein . Ich habe so gar in kleinen Städten , und in Gesellschaften bey Personen aus den mittlem Klassen der Rangordnung eine so ge« naue Bemerkung des plus und minus hierinn gefun« den , als man in den nur einigermaßen aufgeklärten höhern Gesellschaften sicher nicht antrifft . Familien« stolz ist kein Eigenthum des Adels ; verräth sich nur da öfters , wo er öfters Anlaß hat , sich zu zeigen» Doch das wollte ich eigentlich nicht schreiben .
Glückstadt hat eine ansehnliche Schiffahrt , aber doch weniger eigenen Handel und eigene Kaufmann« schaft , als es , seiner vorzüglichen jage nach , haben könnte . Eö ist ein geräumiger Ort mit breiten Skras« sen und mit angenehmen Promenaden an der Elbseite . An dem Aeußern der Hauser zeigt sich ein gewisser Wohlstand der Einwohner . Die niedrige Lage deS Orts mitten in der Marsch ist freylich für sich nicht die gesundeste , und im Herbst und Winter nicht angenehm . Indessen wird dieß mehr gefürchtet , als man es zu fürchten Grund hat , wenn die Diät darnach eingerich« tet wird . Man hat zwar kein anderes Wasser zum Trinken , als was man in Cisternen auffängt , aber rei - ner lind für mich mehr trinkbar habe ich es auch bisher nirgends gefunden , als hier .
Gestern