Full text: Reisen in die Marschländer an der Nordsee zur Beobachtung des Deichbaus (Erster Band)

384 ' — 
Hollstein und nach der Eyder so viel unreif abgeschüttelt tes und unterwegenö gereiftes Obst zuführt . Denn daran liegt es , daß die Ohllander Kirschen z . B . , die zu uns kommen , so schön aussehen , und so fade schmecken . Wir iverden bey uns auch ja wohl einmal dahin kom« men , daß wir selbst reifes Obst haben , und unser Geld nicht für unreifes außer Landes schicken dürfen . 
Die Obstkultur ist hier das vorzüglichste . Man sieht vielleicht eben so viel iand mit Obstbäumen besetzt , und noch mehr , als Wiesen und Kornlanh . Der Walnußbaum steht allenthalben an den Wegen . Von Jork bisScemkirchen und noch weiter fuhr ich durch eine Kirschenallee . Die Kirschen hingen so herunter , daß ich fast ohne vom Sitz aufzustehen , sie abpflücken konnte . Aber dafür war der Weg auch naß und kothig , der sonst jeßo allenthalben so trocken ist , wie eine Diele» . Man kann mit Vorsicht auch in den Marschen Baume an den Wegen setzen , ohne die Austrocknung zu hin« dem . Nur müssen sie nicht zu nahe an einander stehen , und keine oben bedeckte Allee ausmachen . Sonst sind die Wege verdorben . 
Nebst dem Obstbau ist der Hanfbau im Altenlande ansehnlich . Es ist natürlich , daß die Einwohner selbst viel Obst und Gemüse essen . Des Morgens und des Abends haben sie ihre Suppe von braunem Kohl , wie anderswo der Bauer seine Grütze . Die Ohllander ste« chen überhaupt sehr >von den andern Marschbewohnern ab , und ich muß gestehen , daß , so viel ich von ihnen gesehen habe , sie mir an ihrem Aeußern am wenigsteil gefallen haben . Ihre Physionomie ist nicht vortheil« Haft ; langlichte herunterhangende Gesichter ; lang von Statur , aber schmal und dürre . Sie gehen in ihren weiten Hosen , und kurzen Jacken , eben so schluddrig einher , als diese selbst sitzen . Ich sähe nur ein einziges hübsches Bauerngcsicht , noch dazu bey einer Manns« . * person ,
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.