Full text: Summarium des Neuesten aus der in- und ausländischen Medicin zum Gebrauch praktischer Aerzte (5. Band = 1833, No 9-No 16)

Al. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 261 
später schleimig, mit Blut untermischt, weisslich, gelblich, grün- 
lich, schwarzbraun, kaffeesatzartig , schwarz und stinkend. Der 
Tenesmus nahm zu und wurde ganz fruchtlos. Unter 3 Wochen 
wurde die Krankheit nicht‘ beseitigt. Kin 3jähriges Mädchen, 
welches sich, des heftigen Tenesmus ungeachtet, nur wenig 
krank fühlte, wurde mit Mucilaginosis, Columbo, Zimmt und 
kleinen Gaben Laud. liq. Sydenk. glücklich behandelt. Eine 
schwächliche und reizbare Frau wurde nebst ihrer Magd durch 
starke Gaben ‚Opium, innerlich und äusserlich angewendet, ge- 
heilt. Von den übrigen 4 Fällen, welche sich in einer Familie 
ereigneten; liefen 2 tödtlich ab. Der Vater, ein gesunder Mann 
von 40 Jahren, erkrankte zuerst nach zugelassener Erkältung. 
Kolikschmerzen,, Gliederreissen) Drang zum Stuhlgehen und Durch- 
fallt nöthigten den Fiebernden zu Bett. . Ol. Menth,. crisp. aether. 
gtt.iv. in Spirit. sulph. aether. 3iij, alle ‘2 Stunden 40 Tropfen 
mit Thee zu nehmen, verschlimmerten natürlich den Zustand sehr: 
mehr Fieber und Durst, rothe und weisslich-belegte Zunge, hef- 
tiger Tenesmus, Abgang von blutigem Schleim. Muecilaginosa mit 
Opium , Stärkekiystier mit Opium, Reisswasser mit Zimmt und eine 
Tasse schwarzer Kaffee schafften in den nächsten Tagen Ruhe und 
verminderten den Tenesmus. Ein Decoct von Columbo mit Opium und 
Zimmtsyrup führte langsam die Genesung herbei. — Dem Vater 
folgte sein 4jähriger Sohn, dessen Tenesmus so arg war, dass Patient 
wenigstens alle Stunden zu Stuhle gehen musste. Eine Kmulsio 
papav.. mit Laud. lig. und Syr. Cinnam. schaflte Erleichterung, 
aber schon nach einigen "Tagen bekam das Kind, ohne Veran- 
lassung, Zuckungen in den Armen und Beinen, verdrehte die 
Augen, streckte die Zunge lang heraus und entleerte bei den 
häufigen Stuhlgängen grünen Schleim. Durch ein krampfstillen- 
des Kiystier, warme trockene Umschläge auf den Bauch, Cha- 
millenthee mit Lig. C. C. suce. und Lauden, liq. wurden die 
Krämpfe beseitigt, jedoch blieb der Tenesmus, Dieser wurde 
nach abwechselnder Besserung endlich so schlimm, dass das Kind 
in 18 Stunden 55 Mal: zu Stuhle getrieben wurde. Die Zunge 
wurde schwarz, der Puls fadenförmig und äusserst frequent, die 
Haut trocken. Ein Chamillenthee brachte Schweiss und etwas 
Ruhe; allein das Uebel stieg immer fort und gab dem Kinde 
den Tod. In der Leiche fand man die Leber zu gross und die 
Harnblase in die Länge gezogen. Die Muskelhaut der dicken 
Gedärme war verdickt, die Schleimhaut aufgelockert, stark ge- 
röthet, ‚in eine Pseudomembran verwandelt und auf der innern 
Fläche. stark tuberculirt. Am meisten war dies‘ in dem Mast- 
darme, dessen innere Fläche so bedeutend degenerirt war, dass 
sie sich, dem Ansehen nach, der carcinomatösen Entartung. nä- 
herte. Im. Colon und nach dem Coecumr hin fand man die Tu 
berkelbildung weniger ausgeprägt: man fand an den einzelnen 
Geschwürflächen kleine :weissliche Bläschen mit rothem Halo, 
Oberhalb des Coecum waren im Heon die PErer’schen Drüsen
	        
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