Alle diese Änderungen lassen sich wohl aus inneren Gründen
erklären, so dass wir nicht genötigt sind, in der Vorlage Arnolds
irgend etwas ihnen Entsprechendes anzunehmen.
Bemerkt sei hier nur noch, dass der von Egger (Beiträge
zur Kritik und Erklärung des Gregorius. Graz 1872) ge
machte und von Seelisch in seiner oben angeführten Abhandlung
gebilligte Vorschlag, die Verse 425-428 nach v. 412 einzu
schalten, durch die Übersetzung Arnolds nicht gestützt wird;
insofern deren lateinische Wiedergabe
Am. 20504 Deus in pace vos dirigat
et ad vestra in pace remittat
unmittelbar an die Verse sich anreiht, welche den deutschen
Versen 420-24 entsprechen.
Zum Schluss mögen noch zwei Stellen angeführt werden,
an denen Arnold seine Vorlage verlässt, ohne dass sich irgend
ein Grund dafür finden Hesse.
Bei Hartmann erzieht der Fischer das Kind in seinem
Hause, bis es 6 Jahre alt ist, Hartm. 986; bei Arnold dagegen
heisst es
40314 jam jam septennis fuerat;
und derselbe Unterschied wiederholt sich, insofern der Knabe in
der deutschen Dichtung mit seinem elften Jahre alle seine Mit
schüler überholt hat, Hartm. 1009, bei Arnold dies hingegen
erst eintritt, als er 4I 334 bissenos jam impleuerat.
Schliesslich heisst es im Anfänge unseres Gedichts bei der
Aufzählung der vier Gefahren, welche dem Jüngling Verderben
drohen, Hartm. 153 f: diu minne, sinr swester schcene, des
tievels heene und sin kintheit; Arnold giebt die ersten drei
Gefahren in wörtlicher Übersetzung wieder: ii 22U oculorum
concupiscentia, formositas muliebris, dyaboli suggestio, während
er bei der vierten sich gänzlich von allem Überlieferten entfernt:
peccati consummacio, eine Änderung, die wir wohl als dem
Reime zu Liebe gemacht annehmen müssen.
b. Vergleich der lateinischen Übersetzung mit Hartmanns Lich
tung unter Berücksichtigung der Lesarten.
§ 4-
Nach dem ganzen Charakter des Werkes können wir von
vornherein vermuten, dass nur bedeutsamere Varianten, d. h.
solche, welche den Sinn ändern, in Arnolds Übersetzung zu
erkennen sein werden, während grammatische oder stilistische