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Zweiter Abschnitt : Studentenzeit
denen mir ein hübsches Zimmer eine Äreppe hoch bewohnten , lebten wir in voller Harmonie . Im Laufe des Sommers fand mal eine Prozession durch die Poppelsdorfer Hauptstraße zum Kloster auf dem Kreuzberge statt , die vom Kölner Erzbischof leitet wurde , weil unten der Bäckerladen war , bat ? rau Wal - bruel , aus unferm Zensier zusehen zu dürfen . Äls der Erzbischof in seiner ganzen Pracht vorübergekommen war , wandte sie sich lächelnd , doch mit einer gewissen Feierlichkeit gegen uns und sagte : „ Herr Reinke und Herr v . Weyhe , so einen habt Ihr doch nicht ! "
Sie Stadt Sonn war einstmals Residenz der Erzbischöfe , der geistlichen Kurfürsten von Köln , die in der ? reien Reichsstadt Köln nicht wohnen konnten , Das zwischen dem schönen romanischen Münster und dem Klten Zoll gelegene kurfürstliche Residenzschlotz wurde 1815 zum Universitätsgebäude gemacht ! es ist vom dorfer Schloß , das gleichfalls einst den Kurfürsten gehörte , etwa ein Kilometer entfernt und durch eine aus vier Reihen riesiger Rotzkastanien bestehende Kllee damit verbunden . Oer dorfer Schlohgarten war in einen botanischen Garten delt ! im Schlotz befanden sich das botanische , zoologische und mineralogische Institut nebst den zugehörigen Sammlungen und den Dienstwohnungen des Professors der Botanik und des Zoologen Professor T r o s ch e l . Das Schlotz war vom sogenannten Weiher umgeben , in dem allerlei Wasserpflanzen wuchsen . Nahe dem Schlotz erhob sich das grotze chemische Laboratorium der tät , das von dem ausgezeichneten Chemiker August Kekuls geleitet wurde . Dahinter lagen die Gebäude der lichen Akademie , die ihre eigenen Dozenten besatz und wenig bindung mit der Universität unterhielt .
Als ich mich bei Professor h a n st e i n1 in seiner Wohnung im Poppelsdorfer Schlotz anmeldete und ihm sagte , ich sei entschlossen , dies Sommersemester ausschließlich der Botanik zu widmen , wurde ich sehr freundlich aufgenommen und mit den bescheidenen Räumen des botanischen Instituts bekannt gemacht . Ich belegte die lichen Arbeiten im Institut und die Hauptvorlesung ; autzerdem das Botanische Seminar . Auf Hansteins Rat nahm ich auch
1 Johannes v . Canstein , geboren 1822 in Potsdam , gestorben 1880 .