Autamobîtwiinsche
für das Jahr 1927.
Wieder liegt ein Automobiljahr hinter uns,
ein Jahr reich an Erfolgen, Mühen, Triumphen
und enttäuschten Hoffnungen. Im großen und
ganzen aber ist die Bilanz des Jaşşes, dessen
Wechsel wir in wenigen Tagen erleben, nicht ge
rade ungünstig, und der hoffnungsvollen Momente
gibt es doch mehr als der, die zu pessimistischer
Zukunftsbetrachtung Veranlassung geben könnten.
Bon dem kommenden Jahre erhoffen wir uns
in erster Linie die Schaffung eines neuen Steuer
gesetzes, das einmal den Gedanken, daß das Auto
mobil längst aufgehört hat, ein Gegenstand des
Luxus zu sein, sondern zu den lebenswichtigen
Dingen moderner Wirtschaftsführung gehört,
Rechnung trägt, zum anderen aber auch die deut
sche Automobil-Industrie frei macht von der Fessel
veralteter Konstruktionsbeschränrungen.
Mit dieser Forderung Hand in Hand geht der
Wunsch, die verheißungsvollen Anfänge, die uns
die letzte deutsche Automobil-Ausstellung zeigte, zu
machtvollem Wachstum entfaltet zu sehen und auf
der zu schaffenden gerechteren und entwicklungs
förderlichen Steuerformel den modernen Ee-
brauchswagen zu preiswerten Bedingungen allge
meinen Eingang zu verschaffen.
Außerordentlich wichtig ist auch, daß es der
deutschen Handelspolitik gelingt, die Zollmauern,
die sich der Einfuhr deutscher Automobile und
Motorräder aufgrund des Versailler Vertrages
entgegenstellen, einzureihen und an ihre Stelle
Bedingungen zu setzen, die die deutsche Kraftfahr
zeug-Industrie konkurrenzfähig gestalten. Der
Abschluß dieser Handelsverträge hat nicht nur für
die produzierende Industrie allerhöchste Bedeu
tung, sondern auch für den Jnlandskonsum, denn
erst auf der Grundlage gesteigerter Produktion
läßt sich die Forderung des Tages: Rationelle
Erzeugung verwirklichen.
Soweit die automobilwirtschaftlichen Hoff
nungen für 1927. Was die automoüilsportlichs
Seite betrifft, steht in erster Linie der Wunsch,
daß uns das kommende Jahr die gleichen, oder
gar noch größere Erfolge bescheren möge. Gerade
in dieser Beziehung hat uns das zu Ende gehende
Jahr auf das Angenehmste enttäuscht, und es ist
nur zu wünschen, daß uns fein Nachfolger in dem
gleichen Sinne überrascht.
Die in der letzten Zeit eingetretene erfreuliche
Befriedigung innerhalb des deutschen Automobil-
und Motorradsports läßt die besten Hoffnungen
zu, daß auch der deutsche Kraftfahrsport im näch
sten Jahre Deutschland auf das Veste repräsen
tieren wird.
» * *
Rückerstattung
der Kraftfahrzeugsteuer.
Bisher hatte bekanntlich der Besitzer eines
Kraftfahrzeugs, das während der Gültigkeit der
Die Frauen um Walter Sylt.
Roman von Gusti Wciß-Schidlof.
6) Nachdruck verboten.
Das Sekretariat ist ein großer heller Raum,
in dem sechs Damen arbeiten. Fremden ist der
Eintritt streng untersagt. Fräulein Neufeld, die
Vorsteherin, thront in einem abgeschlossenen Glas
kasten, der sie vor -dem Maschinengcklapper schützt,
sie jedoch trotzdem in die Lage versetzt, das halbe
Dutzend junger Mädchen zu überwachen.
Draußen lockt der feidne Frühling. Sehn
süchtige Blicke gehen nach den Bäumen und dem
silbernen Blau des Himmels. Wie schön, jetzt frei
und ohne Pflichten durch den Tiergarten zu gehen
oder im Grünewald zu spazieren. Es ist bitter,
hier den ganzen Tag angefesselt zu sein. Die
Sonne spaziert mit goldenen Füßen über die Re
gale mit den vielen Ablegemappen (für Fremde
unbedingt ehrfurchtgebietend), sie spiegelt sich in
den Nickelteilen und dem schwarzen Lackanstrich
der Schreibmaschinen und hellt den ernsten, dunk
len Linoleumbelag des Fußbodens auf.
Gertie Schröder seufzt, verliert sich in Gedan
ken und kommt wieder zu sich. Zwanzig Seiten
Stenogramm erlaufen kein Grübeln.
„Mathildchen, mein Schatz, gib mir Durch
schlagpapier, meins ist alle!" sagt Fräulein Schrö
der zu ihrer Nachbarin, dem kleinen hübschen
Fräulein Hilde Kroll, nachdem niemand vorhin
auf ihren Ausruf reagiert hat.
Fraulein Kroll sagt sehr erstaunt: „Aber
Fräulein Schröder!", denn das Du ist ihr neu.
Fräulein Schröder antwortet lachend: „Haben Sie
sich nicht, Kleines!" und empfängt das Durch
schlagpapier.
„Meine Damern. hier ist wirklich keine Näh-
stube!" spricht Fräulein Neufeld ernst und ver
weisend und zieht geräuschvoll das offene Glas-
fenster ihres Verfchlages zu. Fräulein Schröder
zieht eine Grimasse und vertieft sich notgedrungen
in ihre Arbeit.
Es ist «ine Erlösung, daß man mittags auf
«ine halbe Stunde das verhaßte Sekretariatszim-
Mer verlassen und den intimen Freundinnen aus
der Propagandaabteilung sein Herz ausschütten
kann.
Es sitzt sich nett im Eßraum. Viele weißge-
deckte Tische, Blumen in Vasen, bunte Wände.
Aber Gertie achtet nicht darauf, denn sie ist wü-
»en-d. Sie äußert empört zu den Freundinnen:
gelösten Steuerkarte außer Betrieb gesetzt wurde,
keinerlei Anspruch auf Rückerstattung des nicht
verbrauchten Steuerteils.
Die zahlreichen Vorstöße, die im Laufe der
Zeit von allen Seiten gegen die darin liegende
Ungerechtigkeit gemacht wurden, haben nun end
lich Erfolg gehabt, denn in einer am 10. Dezem
ber in kraft getretenen Verordnung ist nämlich
bestimmt worden, daß zuviel entrichtete Steuern
zurückgezahlt werden und zwar nach folgender
Maßgabe:
Bei Steuerkarten auf ein Jahr: wenn das
Fahrzeug bei der Zulaffungsbehörds abgemeldet
worden ist: im 1.—2. Monat der Gültigkeitsdauer
75 v. H., im 3.—4. Monat 57,5 v. H., im 5.—6.
Monat 40 v. H., im 7.—8. Monat 27,5 v. H., im
9.—10. Monat 15 v. H.
Bei Steuerkarten auf 6 Monate: wenn das
Fahrzeug bei der Zulassungsbehörde abgemeldet
worden ist: im 1.—2. Monat der Gültigkeitsdauer
68 v. H., im 3.-4. Monat 29 v. H.
Damit ist ein nicht zu unterschätzender Erfolg
erzielt worden, ist es doch jetzt den .Kraftwagen
besitzern, die aus Gründen der schlechten Geschäfts
lage oder größeren Reparaturen die Fahrzeuge
außer Betrieb setzen müssen, möglich, wenigstens
einen Teil der gegenstandslos gewordenen Steuer
zurückzufordern.
SprtzenVsrbmtde
und Kraftfahrzeugstener.
Die mit Spannung erwartete Sitzung der
Vereinigung der Spitzenverbände des deutschen
Kraftfahrwesens, dis 22 führende Verbände um
faßt und die sich mit der geplanten Neuregelung
der Kraftfahrzeugsteuer beschäftigte, zeitigte inso
fern ein negatives Resultat, als man beschloß, zu
nächst die Denkschrift abzuwarten, die der Reichs-
verband der deutschen Automobilindustrie gegen
wärtig ausarbeitet und die dem Reichsfinanzmi-
nifterium vorgelegt werden soll.
Dagegen wurde beschloßen, bereits fetzt beim
Reichsfinanzministerium vorstellig zu werden, den
Zuschlag zur Kraftfahrzeugsteuer,der an Stelle der
Vorausleistungen für die Wegeunterhaltung in
Höhe von 25 Proz. erhoben wird, nicht mehr zu
erheben, da nach amtlicher Mitteilung das Auf
kommen aus der Kraftfahrzeugsteuer in den ersten
acht Monaten des Jahres den Voranschlag für das
ganze Jahr weit hinter sich gelassen hat.
* * *
Kraflfahr^eugfterrer
oder KetriebMofMener?
Aus Kreisen der Betriebsstoffindustrie wird uns
geschrieben:
In den letzten Monaten ist die Frage einer Um
gestaltung der jetzigen Kraftfahrzeugsteuer in eine an
dere Steuerart, sei es in eine Reifensteurr, fei es in
eine Betricbsstoffstener, erörtert worden, weil die
jetzige Kraftfahrzeugsteller durch ihre Steuerformel un
günstige Auswirkungen auf den Automobilbau und
den AutomobilaÜfatz gehabt haben f«ll. Ein Umbau
„Kinder, bei den langweiligen Tanten bleibe
ich nicht lange. Das kann ich euch bloß sagen. Ein
Gehabe ist das, nicht zum Aushalten."
„Ich hab' dir's ja gleich gejagt, daß das Se
kretariat viel zu vornehm für unfereinen ist!" be
merkt mit überflüssig lauter Stimme und bemüht,
ihren Worten einen möglichst hohnvollen Ausdruck
zu geben, Fräulein Klara Gruhl, genannt Putti.
Einige Damen des Sekretariats sitzen nämlich am
Nebentifch, und es wäre jammerschade, wenn sie
diese Feststellungen überhörten.
„Für wen schreibst du denn jetzt?" erkundigte
sich Dorchen Miszkowski.
„Meistens für Sundhagen und ab und zu auch
für das Ekel, den Stahn. Aber für -den vertippe
ich mich zu oft."
„Und w. S.?" Damit ist Walter Sylt ge
meint.
„Den kenne -ich noch gar nicht. Er hat sich bis
jetzt noch nicht bei uns blicken laßen. Natürlich
arbeitet fast nur Fräulein Neufeld für ihn. Was
denkst du denn?"
„Kinder, unser oberster Chef ist eigentlich rie
sig schick. Mit dem möcht' ich mal ausgehen!"
Putti imitiert einen verliebt«» Seufzer. „Schade,
der Mann ist zu stark verheiratet."
„Meinst du. daß du Chancen hättest, wenn
er's nicht wäre?" fragte Dorchen etwas spitz. Sie
sagt „Schangfen". Gertie Schröder lacht.
„Laßt doch den armen Mann in Ruhe", meint
sie würdevoll und nachsichtig. „Du bist zwar eine
Schönheit, Putti, aber Walter soll ja ein Stock
„Sch!" stoßt Dorchen leise und heftig hervor.
„Wenn man vom Wolf spricht. . ." Walter Sylt
ist soeben in Begleitung des Direktors Sundhrgen
und eines fremden Herrn eingetreten.
Verschiedene Angestellte versuchen, sich ange
nehm bemerkbar zu machen. Zwei Herren aus der
Buchhaltung, die am Büfett stehen, verneigen sich
ehrfurchtsvoll. Fräulein Krott findet das blöd
sinnig. Ein paar junge Damen zupfen verstohlen
an Haarlöckchen und Blusen, und alle dämpfen ihr
mehr oder minder lautes Lachen und Sprechen.
Walter Sylt hat die Absicht, dir Kantine ver
größern und draußen kleine Balkons anbringen
zu lassen. Sein unbekannter Begleiter ist der
Architekt, der die Pläne für den Umbau machen
soll und dessen Besuch zufälligerweise in die Tisch
zeit gefallen ist. Sonst kommt Sylt nie während
der Mittagszeit in den Eßraum, da er fühlt, daß
dieser Formel in dem künftigen Kraftfahrzeugsteuer
gesetz erscheint deshalb notwendig. Ganz abwegig aber
ist der Gedanke, die Kraftfahrzeugfteuer ganz oder teil
weise durch eine Vetriebsstoffsteuer zu ersetzen.
1. ) Die Befürworter der Betrieüsstoffsteuer find
nch darüber durchaus unklar, welche Erhöhungen der
Betriebsstoffpreise eine solche Steuer zur Folge hätte.
Nach eingehenden angestellten Berechnungen würde
unter Berücksichtigung der voraussichtlichen Steigerung
des Automobilverkehrs und damit des Betriebsstoff-
konsums eins Preiserhöhung auf Betriebsstoffe in
außerordentlicher Höhe die notwendige Folge sein.
Man kann diese Preiserhöhung jedenfalls bis auf 50
Proz. des normalen Preises schätzen, so daß der Be
triebsstoff einen Preis erreichen würde, der für die
Konsumenten untragbar wäre.
2. ) Die Betriebsftoffsteuer würde ferner eine ganz
wesentliche Mehrbelastung der Lastkraftwagen gegen
über dem Personenkraftwagen zur Folge haben. Denn
der Betriebsstoffverbrauch der Lastkraftwagen ist un
verhältnismäßig größer als bei den Personenkraft
wagen. Alle diejenigen Industrien und Verbraucher-
kreise, welche an dem Vau und der Benutzung von Last
kraftwagen interessiert sind, müssen sich daher darüber
klar werden, daß die Hauptlast einer Vetriebsftoff-
steuer von den Personenkraftwagen auf die Lastkraft
wagen abgewälzt werden würde. In den Kreisen von
Lastkraftwagen-Interessenten bereits angestellte Be
rechnungen haben zu dem Ergebnis geführt, daß die
weitere Ausbreitung des Lastkraftwagenverkehrs im
Falle einer erneuten Sonderüelastung durch die Be-
triebsstoffsteuer entscheidend gehemmt werden könnte.
3. ) Bisher hat man darauf hingewiesen, daß das
jetzige Kraftfahrzeugsteuergesetz zu einem unzweckmäßi
gen Bau der Motoren lediglich ans steuerlichen Grün
den verleitet habe. Aber auch eine Vetriebsstoffsteuer
kann zu unzweckmäßigen Formen des Motorenbaues
verleiten, wenn man aus steuerlichen Gründen den
Motorenbau lediglich auf einen geringeren Vetriebs-
ftoffverürauch abstellt.
4. ) Bor allem aber ist die Betriebsstoffsteuer bei
näherer Prüfung steuertechmsth völlig undurchführbar.
Die Einführung einer Betriebsstoffsteuer müßte
ein umfangreiches Steuerkontrollfystem heraufbeschwö
ren, das sich nicht nur auf die Besitzer eines Pcrsonen-
oder Lastkraftwagens, sondern auch auf die Earagen-
und Tankstellenbesitzer erstrecken würde. Es unterliegt
steuerlich den größten Bedenken, alle an Betriebsstoffen
interessierten Kreise einer ständigen, lästigen Steuer
kontroll« zu unterwerfen. Eine starke Steuerkontrolle
würd; aber unvermeidlich fein, weil sonst die Gefahr
von Hinterziehungen zu groß fein würde!
Hierzu kommen weiterhin bezüglich der technischen
Durchführung einer Vetriebsstoffsteuer folgende Ge
sichtspunkte:
a) Der Begriff des Betriebsstoffes ist technisch
nicht einwandfrei zu umschreiben, weil die verschieden
artigsten Stoffe als Betriebsstoff Verwendung finden
können. Zu den motorischen Kräften, die als Auto-
mobilüetriebsstoff in Betracht kommen, gehört u. a.
auch die Elektrizität. Ferner kommen in Betracht:
Easöl, Schieferöls, Torfole, Braunkohlen- oder Stein-
kohlenteeröle, Spiritus usw. Die im Verkehr üblichen
Gemische aus den verschiedensten Stoffen zum Antrieb
der Automobile sind steuertechnisch überhaupt nicht
ordnungsmäßig zu erfaßen.
d) Ferner werden die als Betriebsstoff für Per
sonen- und Lastkraftwagen verwendeten Stoffe zu den
verschiedensten anderen Zwecken benutzt, so z. B. in
chemischen Wäschereien, Färbereien, Lackfabriken, Far
benfabriken, Gummifabriken, Knochenleimfabriken, für
Bergwerkslampen, in Eafolinanlagen für die Lichtbe
reitung, Wachstuchfabriken, Tapetenfabriken, Stickstoff-
düngerfabriken, bei der Farbenherstellung, in Benzol-
lokomotiven, usw. usw. Hierzu kommt die Verwen-
feine Gegenwart auf die Angestellten beengend
wirkt.
Unter ihnen befindet sich eine ganze Anzahl,
die ihren „obersten Chef", um mit Putti ErNhl zu
sprechen, bisher überhaupt noch nicht gesehen hat.
Auch Gertie Schröder guckt. Neben dem kleinen
rundlichen Direktor Sundhagen mit der spiegeln
den Glatze und dem ältlichen Architekten mit der
schlechten Haltung nimmt sich Walter Sylts ele
gante Figur doppelt vorteihaft aus. Sein Gesicht
trägt Spuren von Müdigkeit. Er hat in den letz
ten Tagen viel zu arbeiten gehabt.
Direktor Sundhagen sieht die drei Mädchen
und sagt schmunzelnd ein paar leise Worte zu
Walter Sylt, mit denr er privat auf vertrautem
Fuß steht. Sylt wendet kaum merklich den Kopf
und sieht flüchtig, halb mechanisch, herüber, nur
für einen Augenblick. Gertie Schröder errötet
leicht. Si« w«itz instinktiv, daß „der alte Affe"
Sundhagen Walter Sylt auf sie aufmerksam ge
macht hat, und sie fühlt mit der zornigen Scham
der Unterlegenen, daß sie keinen Eindruck auf
Walter Sylt gemacht hat. Sie versteht sich auf
Männerblicke.
Und «ben diese vollkommene Gleichgültigkeit
Walter Sylts reizte sie. Tenn sie ist gewohnt, daß
sie auffällt, und sie weiß, daß sie im ganzen Haufe
nur „die blonde Schönheit von Wachter u. Sylt"
heißt. Der Blick ihrer schmachtenden, wirklich
schönen dunkelbewimperten Blauaugen übt einen
seltsamen Zauber aus, und sie hat die Macht ihrer
Blicke schon oft erprobt. Biel zu oft sogar. Spöt
tisch verzieht sie die Mundwinkel, gibt ihrer Kaf
feetasse «inen Stoß, die drei Herren haben soeben
durch den anderen Ausgang den Raum verlassen
— und sagt entrüstet: „Solche Brühe kriegt man
hier vorgesetzt. Und das soll ein anständiger
Mensch trinken!"
„Du mußt ja nicht", sagt die Putti, „wer
zwingt dich eigentlich?"
Dorchen Miszkoskis Gedanken halten sich noch
bei Walter Sylt auf. „Wie gefällt er dir?" fragt
sie neugierig.
„Wer? Ach W. S.? Gott, was ist schon dran
an ihm?" Gertie zuckt gelangweilt die hübschen
Achseln.
„Tu doch nicht so, er ist doch wahnsinnig schick!"
Dorchen ist erstaunt. Für sie bedeuten „Schicksein"
das höchste menschliche Verdienst und das erstre
benswerteste Ideal.
„Ph, meinst du vielleicht, ich Habs noch keinen
dung von Spiritus zu allen möglichen sonstigen chemi
schen und technischen Zwecken. Schon diese Erwägun
gen und der Umstand, daß die Verwendung von Be
triebsstoffen zu Flugzeugmotoren und für den Mo
torenbau ebenfalls steuerfreu bleiben müßte, beschwö
ren ein steuertechnisch überaus konpliziertes Freigabe-
system herauf, daß für alle beteiligten Kreise der In-
ouļtrxc, des Handels und des Verkehrs überaus lästig
ware. ö
c) Endlich würden die Erhcbungskosten bei einer
technisch so sg)wer durchführbaren Steuer ganz unver
hältnismäßig große fein. Bei diesen Kosten dürfen
"'chtnur die Kosten der Steuererhebung als solche in
Rücksicht gezogen werden, vielmehr ist hierbei auch die
Notwendigkeit der Aufrichtung eines umfangreichen
und lästigen Kontrollsystems in Betracht zu ziehen
durch welches alle irgendwie an Veiriebsstoffen mittel
bar oder unmittelbar interessierten Industrien oder
Handelsorganisationen betroffen werden würden.
. Nach^ alledem würde die Einführung einer' Ve-
tneosstoffsteuer sowohl vom allgemeinwirtschaftlichen
un ,V, r steuertechnischen Standpunkt unzweckmäßig und
gefährlich sein, wie auch den Interessen der verschieden
sten Zweige von Industrie und Handel, sowie der Ver-
braucherkrehe zuwiderlaufen.
Aleîne îMLreîlungen.
Peinliches Erlebnis eines Motorradfahrers.
Einem süddeutschen Motorradfahrer passierte
vor kurzen: ein Erlebnis, das leicht die unange
nehmsten Folgen hätte haben können. Dieser war
nach Nürnberg gefahren und hatte dort für eine
elektrische Batterie Säure eingekauft. Diese Flasche
steckte er in eine Tasche feines Jacketts, während
sich feine Lederjoppe darüber befand.
Unterwegs zerbrach die Flasche, was der Mo.
tarradfahrer jedoch nicht merkte und setzte natür
lich die Kleidung in Brand. Bei dem scharfen
Wind merkte der Motorradler aber garnicht, daß
seine Kleidung bereits in Brand übergegangen
war, sondern fuhr unter Zurücklassung einer
Rauchsäule unentwegt seinem Heimatorte zu.
Glücklicherweise fuhr zufällig ein anderer
Motorradfahrer die gleiche Strecke und bemerkte
den Sachverhalt. Um ihn aufmerksam zu machen,
gab er fortgesetzt Hupensignale ab, die jedoch nur
die Wirkung hatten, daß der vordere Fahrer, in
der Meinung, es wolle ihn jemand überholen^noch
mehr Gas gab. So blieb dem zweiten Fahrer
nichts übrig, als aus seiner Maschine das letzte
herauszuholen, um seinen Vordermann vor der
großen Gefahr zu warnen.
Schließlich hatte er ihn auch eingeholt und
als er mit ihm auf gleicher Höhe war, konnte er
ihm denn endlich zurufen, daß er im Begriffe sei,
bei lebendigem Leibe zu verbrennen. Glücklicher»
weife verließ den Bedrohten die Geistesgegenwart
nicht, er bremste sofort und kaum angehalten, warf
er sich in den neben der Chaussee herlaufenden
Wassergraben. So ging die Geschichte denn noch
eben glimpflich ab.
Verantwortlich: Karl Müller. Rendsburg.
Freund gehabt, der ebenso schick war?" Sie spielt
die Ueberlegene. „Ihr kleinen Küken, wenn ihr
meine Erfahrung besäßet!" Und sie beginnt zu
schwadronieren. Von dem Grafen, der sie leiden»
fchaftlich liebte, als sie fünfzehn Jahre alt war
und der sie sicher entführt hätte, wäre nicht des
Staatsanwalts Schatten drohend im Hintergrund
gestanden. Dorchen und Putti seufzen, wenn sie
Gerties Erzählungen auch mit heimlichem Skepti
zismus gegenüberstehen. Aber es wäre doch schön,
wenn es wahr wäre.
Da fällt Gerties Blick auf die Uhr. „Himmel,
ich muß runter. Es ist schon dreiviertel, di« Neu
feld wird wieder einen schönen Tanz hermachen!
Mahlzeit, Kinder!" Und weg ist sie.
Sie hört es nicht mehr, daß ihre gute Freun
din Dorchen kichernd zu ihrer ebenso guten Freun
din Putti äußert: „Die Gertie soll sich nur nicht so
aufblasen! Wenn Sylt sie einmal nett angucken
möchte, würde sie bis an die Decke vor Freude
springen!" Dabei ahnt Dorchen nicht einmal, wie
nahe sie der Wahrheit mit ihrer liebenswürdigen
Bemerkung kommt.
Fräulein Neufeld machte indes keinen Tanz
her. Man hat sich noch nicht richtig zur Arbeit
entschließen können, denn Fräulein Neufeld hat
die interessante und aufregende Nachricht gebracht,
daß Frank T. Nomen von der Rowen Oil Com
pany, der Sohil des Begründers der Gesellschaft,
vor zehn Minuten überraschend angekommen sei,
um die Verhandlungen zu beschleunigen und zum
endgültigen Abschluß zu bringen. Fräulein Neu
feld hat ihn gesehen und wird nun mit Fragen
bestürmt.
Wie er aussehe?
Sehr gut, glattrasiert, richtiger Sportstyp.
Wie er angezogen fei? Sehr elegant natür
lich?
Ein Hohnlachen ergießt sich über die Fragerin.
Ob sie sich einbilde, daß ein siebzigfacher Dollar-
millionär wie Mr. Rowen feine Garderobe in ei
nem Abzahlungsgeschäft von der Stange kaufe?
Fräulein Neufeld muß lächeln. Nein, von
aufregender Eleganz kann nicht die Rede sein. Mr.
Rmven mache einen durchaus unauffälligen Ein
druck. Auf seinem Rücken befinde sich kein Schild
„Achtung! Ein Besitzer von siebzig Millionen
Dollars!"
(Fortsetzung folgt.)