Object: Newspaper volume (1931, Bd. 3)

5uv Uàr Haltung 
3ît. 216 
Beilage der Schleswîg.Holsteînļschen Landeszeitung (Rendsburger Tageblatt) 
Dienstag, den 15. September 1931 
Utmfîätfmnņ tit Schleswig. 
Das nordische Schauspiel „Haithabn" von Paul Lcuchfeunng ei» voller Erfolg. 
Haithabu! — Der Name wirb uns immer 
Aehr zu einem Begriff, der uns ein weiteres 
Vordringen in das Leben unserer Vorväter 
^stattet. Der Forscher schürft in mühsamer 
Beinarbeit auf dem Boden der alten Welt- 
Mndelsstaötl seine noch so geringen Funde 
lassen das äußere Bild der Stadt, deren Blü 
tezeit etwa um 800—1000 n. Chr. liegt, uns 
wieder deutlich werden. Dem Dichter blieb es 
vorbehalten, uns in die Geisteswelt der Hait- 
aabuer einzuführen, nachdem uns die Archäo 
logen den hohen Stand der Kultur des Ger- 
aranenvolkes durch Grabungen und Funde 
^wiesen haben,' so erscheinen uns Vermutun 
gen über die Ideenwelt der Vorfahren in 
glaubwürdigem Lichte. 
, Das Ostseejahr bot Anlaß zu einem Fest 
spiel, in dem das Problem Haithabu behandelt 
wird,' denn die Grabungen auf dem alten 
Stadtfeld werden von den Archäologen der 
gesamten Oeffentlichkeit interessiert verfolgt. 
Was Paul Leuchsen ring, der Schles- 
wiger Dichter, aber geschaffen hat, geht über 
öen Rahmen des üblichen Festspiels weit hin 
aus. Der Dramatiker in ihm wurde von der 
Gewalt des Stoffes gepackt und läßt das 
Schicksal von Sigtrygg und Knuba so urge- 
waltig aus uns wirken, daß es sich ans dem 
historischen Rahmen löst, uns zeitlos und 
Übermenschlich erscheint. 
Ebenso, wie die Inszenierung, hält Paul 
8euchsenring sich nicht zu eng an die alten 
lleberlieferungenj denn er schreibt ja nicht für 
die Altertumsforscher, sondern für die leben 
dige Wirklichkeit. Das Völkerschicksal an der 
Wende zweier Jahrhunderte trügt so wesens- 
ņahe Züge, daß es zur Besinnlichkeit mahnt, 
Es umspannt die Wegstrecke von der fernsten 
Vergangenheit und zeigt hin in die Zukunft, 
der wir und unser Volk entgegengehen. 
Die Uraufführung am Sonntag im Nord- 
wark-Landestheater fand vor ausverkauftem 
Hauso statt. Auch die Archäologen waren in 
großer Zahl erschienen. Intendant Dr. Hcr- 
tzrann Schaffner, der die Regie führte, hatte 
>nit feinfühlender Hand jede Kleinheit bedacht 
find so jedes der sieben Bilder eindrucksvoll 
herausgestellt. In König Knuba (Wilhelm 
ìîleyer-Otteus) war eine Gestalt von beson 
ders dramatischer Kraft geschaffen worden. 
Fn seinem Innern vollzieht sich der Kampf 
des siegreich vordringenden Christentums ge 
gen das Heidentum. Er erkennt instinktiv die 
Größe dieses neuen Glaubens, ist aber im 
Widerstreit noch mit sich selbst und mit seiner 
Frau und seinem Sohn, die an dem Glauben 
der alten Götter festhalten. Der stärkste Ge 
genspieler des Königs ist die Königin Asfrid 
(Melanie Olden), die ihren ganzen Einfluß 
aus ihren Sohn Sigtrygg (Reinhold Lütjo- 
hann a. G.) ausübt — und ihn zum Kämpfer 
für die alten Götter macht. Das Gegenspiel 
wird im fünften Bild in der Doppelszene von 
dem Dichter ungeheuer packend dargestellt. 
Hier feiert der Dramatiker in Leuchsenring 
seinen Triumph. Der Priester (Max Feurer), 
zwar im Hintergrund bleibend, und der säch 
sische Markgraf Liuthard (Bruno Gerhard) 
vernichten in der Brust des Königs Knuba 
die letzten Zweifel,' selbst Sigtrygg, der Sohn, 
muß geopfert werden. Dieser dagegen, von 
seiner Mutter Asfrid unterstützt, bezwingt 
die letzten Zweifel und kommt zu der Ueber 
zeugung, daß er den Göttern nur dann er 
folgreich dienen kann, wenn er sich zum König 
macht. Das Volk, das nur widerwillig den 
neuen Glauben annahm, fällt ihm zu. Im 
mer kürzer werden die Intervalle, in der die 
beiden Gruppen zu uns sprechen, immer ge 
gensätzlicher die Meistungen, und mit einem 
Zusannnenklang, der allerdings eine Disso 
nanz ist, schließt das Bild. In einer gro 
ßen Volksszene, in der Sigtrygg die Herr 
schaft an sich reißt, um zwar Sieger zu wer 
den, ohne aber den vollen Sieg davontragen 
zu können, zerbricht am Kreuz sein Schwert 
mit den Zauberrunen Odins. Der alte 
König verzichtet um des Volkes willen 
auf die Herrschaft, die er seinem Sohne an 
bietet. Der aber kann den alten Glauben 
nicht lassen und das Christentum nicht weiter 
bekämpfen. Zu stark hat das frohe Sterben 
dieser Leute auf ihn gewirkt. So zieht er mit 
seinen Mannen davon, Haithabu aber geht 
dem Untergang entgegen. 
Das Publikum nahm das Werk dankbar 
auf,' Dichter, Bühnenleiter und Darsteller 
wurden wiederholt vor die Rampe gerufen. 
Man darf wohl hoffen, daß dieses bühnen 
wirksame Werk seinen Weg auch über die 
Bretter anderer Bühnen machen wird. 
H. P. 
Lustige Wiener Thealer-Nnek-olen. 
Unbekannte Bosheiten von Gabor Steiner. 
Der ehmalige Theaterdirektor Dabor Stei 
ner beabsichtigt, demnächst eine Sammlung un 
bekannter Wiener Theater-Anekdoten in Buch 
form zu veröffentlichen. Nachstehend im Vor 
abdruck eine kleine Auslese daraus: 
Baron Dingelstedt, lange Zeit Direktor der 
Wiener Hofoper und des Burgtheaters, war ein be 
geisterter Verehrer foet Operette und versäumte 
keine Novität in dem von ihm besonders bevorzug 
ten Theater an der Wien. Aber — der Komiker 
R. erregte stets sein Mißfallen, er ging ihm an die 
Nerven, wie er ganz offen dem Direktor des The 
aters sagte. Wie erstaunten aber alle Kollegen des 
R., als sie eines Tages vernahmen, eben dieser 
Komiker sei an das Hofburgtheater engagiert. Wie 
ist denn das nur möglich? „3a," sagte ein Kollege, 
„der Dingelstedt hat mir erzählt, er halbe ihn nur 
deshalb ins Burgtheater engagiert, damit er, ohne 
sich zu ärgern, ins Theater an der Wien gehen 
könne/ 
* 
Mit dem damals sehr schwachen Orchester des 
Hofburgtheaters war Dingelstedt stets unzufrieden. 
Einmal begegnete er im Logengang seinem Kapell 
meister Sulzer und richtete an diesen die Frage: 
„Von wem war die Zwischenaktmusik, die ihr soeben 
gespielt habt?" — „Wenn Sie Ihnen gefallen hat, 
von mir, wenn nicht, von Beethoven", antwortete 
schlagfertig Sulzer. Sie stammte tatsächlich von 
Beethoven. 
Ein prominentes Mitglied des Hofburgtheaters 
beklagte sich bei Dingelstedt, eine ihm zugesagte 
Rolle nicht erhalten zu haben. Dingelstedt zuckte 
mit den Achseln. Es entwickelte sich folgendes Ge 
spräch: „Aber, Herr Direktor, Sie haben mir doch 
Ihren Ehrenwort darauf gegeben." — „Wann, wo?" 
— „Bor vier Wochen, hier im Büro." — „Ja, mein 
Lieber, mein Ehrenwort als Direktor brauche ich 
nicht zu halten; wenn ich Ihnen mein Ehrenwort 
in meinem Hause als Baron gebe, dann können Sie 
sich darauf verlasseul" 
* 
Der Autor eines neuen Stückes erbat die Un 
terstützung Peter Altenbergs bei der Direktion des 
Deutschen Volkstheaters. Altenberg sagte: „Das ist 
unnütz; ist das Stück gut, nimmt's eh niemand an, 
ist's schlecht, macht's von selbst seinen Weg." 
* 
Der Kampf gegen die Claque datiert schon aus 
den siebziger Jahren. Ein Witzbold prägte folgendes 
Scherzgedicht: „Wohl trägt der Mime ohne Klage, 
— daß ihm die Nachwelt keine Kränze flicht. — Doch 
daß die Mitwelt ihm die Claque versage, — nein, 
das erträgt so leicht ein Mime nicht." 
* 
Eine Frau kommt zu Hellmesberger, um zu 
erfahren, wie lange ihr Sohn lernen müsse, um Gei 
ger zu werden. „Acht Jahre", antwortete der 
Meister. „Das ist zu lange", jammerte die Frau. 
„Dann lassen Sie ihn ein Blasinstrument lernen, 
das dauert nur sechs Jahre". Aber auch das war 
der Frau zu lange. „Dann lassen Sie ihn Baß. 
geiger werden, da kann er gleich drauf warten." 
* 
Als die Wagner-Sängerin Rosa Sucher an der 
Hofoper gastierte, warnte Hellmesberger: „Mensch 
vergöttere die Sucher nicht." 
liisitg Welt. 
Vom Krankenbett 
zum Bergrennen und wieder zurück. 
Eine beispielslose Willenskraft hat der Sie 
ger in dem Bergrennen für Autoräder aufgebracht, 
das dieser Tage in der englischen Grafschaft Doug 
las über eine Strecke von 270 Kilometern zum Aus 
trag gebracht wurde. Sieger im Rennen wurde 
der junge Londoner Architekt Pirie, der schon im 
vergangenen Jahr den Ehrenpreis gewonnen hatte, 
und der diesmal eine Durchschnittsgeschwindigkeit 
von rund 84 Kilometern in der Stunde erzielte. 
Aber eindrucksvoller als die Leistung selbst waren 
die ungewöhnlichen Umstände unter denen sie voll 
bracht wurden. Beim Training war Pirie ver 
gangene Woche zu Fall gekommen und hatte sich 
beim Sturz schwere Verletzungen am Kopf zuge 
zogen, die seine Ueberführung ins Krankenhaus 
nötig machten. Man nahm deshalb als selbstver 
ständlich an, daß er aus dem Rennen ausscheiden 
werde, da er nicht in der Lage war, die für die 
Teilnahme am Wettbewerb erforderlichen zwei 
Proberunden zu fahren. Aber man hatte die Rech 
nung ohne die Willensstärke Piries gemacht. Trotz 
Abratens der Aerzte verließ er das Bett und fuhr 
die vorgeschriebenen zwei Runden. Mit dick ban 
dagiertem Kopf fand er sich am Start ein und 
übernahm von Anfang an die Führung. Vergeb 
lich bemühten sich die Mitbewerber, ihm nahe zu 
bleiben. Er siegte nach Gefallen und kam mit einem 
Borsprung von 5 Minuten am Ziel an. Hier aber 
brach er zusammen. Als er feine Maschine zum 
Stehen gebracht hatte, fiel er den Kontrollbeamten 
in die Arme und mußte sofort im Krankenwagen 
nach dem Hospital zurückgebracht werden. Sein 
eiserner Wille, zu siegen, hatte seine körperliche Un 
zulänglichkeit überwunden. Später erklärte er 
allerdings einem Berichterstatter: „Die letzten 50 
bis 60 Kilometer fuhr ich halb bewußtlos. Ich er 
litt einen Schwindelanfall nach dem anderen und 
konnte zeitweise nicht einmal die Straße erkennen." 
Sind falsche Zähne Körperteile? 
Die interessante Frage hatte kürzlich ein Ge 
richt in Sydney zu entscheiden. Dem Arbeiter 
John Hargedy fiel beim Verlassen einer Baustelle 
ein Ziegelstein auf den Kopf, ohne indessen weite 
ren Schaden anzurichten, als daß dem Manne sein 
falsches Gebiß zerbrach und unbrauchbar wurde. 
Die Ballgesellschaft lehnte Schadenersatz ab, da 
falsche Zähne nicht als Teil des Körpers zu be 
zeichnen seien. Das Gericht war indes anderer 
Ansicht und verurteilte die Beklagte laut Antrag. 
Schà-AàĶà 
Roman von Elsbeth Vorchart. 
^7) (Nachdruck verboten). 
„Hm — nicht gerade das—", erwiderte die 
Fremde zögernd, „ich wollte eigentlich nur Sie sehen 
^nd sprechen." 
„Mich?" fragte Rotraut verwundert und fühlte 
stch durch den eigentümlich forschenden Blick der 
Fremden beängstigt und verwirrt. 
„Ja — Rotraut, dich — dich allein!" stieß jetzt 
die andere fast leidenschaftlich hervor. „Tagelang 
îrrte ich im Park umher, um dich zu treffen, und 
endlich wird mir die Erfüllung." 
Ganz entsetzt starrte Rotraut die fremde Dame 
die sie bei ihrem Namen und „du" nannte, ob 
gleich sie sie nie zuvor gesehen, noch von ihr gehört 
hotte. 
■ „Ich verstehe nicht —", stammelte sie ganz ver 
wirrt, „woher kennen Sie mich? Ich weiß nicht, daß 
'4 Eie schon jemals zuvor —" 
„Wie solltest du auch!" wurde sie lebhaft unter 
brochen. „Du weißt nicht, ahnst vielleicht nicht ein 
mal, wer hier vor dir steht!" 
„Rein —dos ahne ich nicht." 
Rotraut glaubte, ihr Herz müsse stillstehen vor 
/enzenloser Erregung. Hatte sie es mit einer 
Wahnsinnigen zu tun? Wer war die fremde Frau, 
fle sie im Park stellte und ihr tagelang aufgelauert 
0 Q ite? Und jetzt gar breitete die Fremde beide 
^me ihr entgegen, so daß sie entsetzt einige Schritte 
^Atckwich. 
, , „Rotvaut, fühlst du es wirklich nicht — sagt dir 
If’nc innere Stimme: das muß die sein, die mir das 
'-eben gab?" 
. „Wer —?" fragte Rotraut zitternd, und es war 
ì als wiche der Boden unter ihren Füßen. 
„Deine Mutter, Rotraut! Ja, sieh mich nur an 
deinen schönen entsetzten Augen — ich bin's, 
Mutter —■ und was man dir auch von mir er- 
aben mag, ich habe dich unter dem Herzen ge- 
^Mn, ich habe um dich gelitten, mich nach dir ge- 
laß 
şîhnt — komm an mein Herz, geliebtes Kind 
dich nur einmal halten, küssen!" 
0 Da streckte Notraut wie abwehrend die Hände 
p u . s und trat noch einen Schritt zurück. Sie war 
/Perhast bleich geworden und zweifelte nicht mehr 
^n, eine Irrsinnige vor sich zu sehen. Ein ein- 
ziger Gedanke beherrschte sie: zu fliehen aus der 
Nähe dieser unheimlichen Frau, ober sie fühlte sich 
von diesen Augen so seltsam angezogen und ge 
bannt — sie fürchtete auch, daß sie ihr folgen werde. 
So kamen Worte über ihre blutleeren Lippen, die 
die andere zur Vernunft bringen sollten: 
„Meine Mutter ist längst tot, ich habe sie nicht 
gekannt." 
Da lachte die Fremde ein schneidendes Lachen, 
und die ausgebreiteten Arme sanken ihr schlaff am 
Körper herab: „Tot also — das hat man dir gesagt. 
Aber ich sage dir: es ist Lüge, Lüge!" Sie schrie es 
fast heraus, ober als sie Rotrauts Erschrecken sah, 
meisterte sie sich schnell. „Sie haben es gut mit dir 
gemeint, haben die Verfemte nicht vor der Tochter 
erniedrigen wollen — sie haben sie ertötet in deinem 
Herzen, denn sie verdammen und hasten mich. Was 
wissen sie, die Ehrbaren, Unversuchten und Glückli 
chen, was es heißt, einem ungeliebten Manne ange 
hören zu müssen, während bte Liebe zu einem ande 
ren die Seele wundfrißt? Was wissen sie von den 
Qualen und der Macht, die stärker ist als alle Sit- 
tengefetze? Ich will meine Schuld nicht ableugnen, 
mich vor ihnen nicht rechtfertigen, aber vor meinem 
Kinde will ich es tun, nicht heute, nicht in dieser 
Stunde, ein andermal, wenn es erst begriffen haben 
wivd, daß seine Mutter lebt. Ich weiß, daß du mich 
nicht lieben lernen wirst, wie ein Kind seine Mutter 
liebt —dieses Anrecht habe ich verwirkt, als ich dich 
preisgab, um meiner Liebe zu folgen. Eine andere 
ist an meine Stelle getreten und hat deine Liebe für 
sich genommen. Aber die Sehnsucht trieb mich heim, 
und nun habe ich dich gesehen. Wie schön du gewor- 
den bist, wie bezaubernd schön! Unten im Dorf 
gasthaus wohne ich feit Togen und habe täglich den 
beschwerlichen Weg hier herauf gemacht, um dich nur 
einmal zu sehen, um dich nur einmal an mein Herz 
zu drücken. Aber du weichst schaudernd von mir und 
verleugnest deine Mutter, glaubst meinen Worten 
nicht. So gehe hin und frage sie und sage ihnen, 
daß deine Mutter gekommen ist, um den Haitbergern 
den Erben zurückzugeben, deinen Bruder, Rotraut, 
um dessentwillen ich mich vor ihnen demütigen und 
erniedrigen will. Und wenn du dann weißt, daß ich 
die Wahrheit gesprochen habe — vielleicht, vielleicht 
sprechen dann doch die Bande des Blutes, die uns 
verknüpfen — vielleicht findest du dann doch den 
Weg zu deiner armen, unglücklichen Mutter." 
Rotraut fühlte sich am Rande ihrer Kraft. Vor 
ihren Augen tanzten dunkle Flecken, es sauste und 
brauste in ihren Ohren. Sie stammelte etwas Un 
verständliches, ihr selbst kaum Bewußtes und floh 
dann wie gehetzt den Weg zurück und horchte nur 
mit fieberhafter Spannung, ob ihr Schritte folgten. 
Aber sie folgten nicht. Da verlangsamte sie ihre 
Schritte, doch ihr Atem flog, und ihre Knie zitter 
ten. Kaum vermochte sie sich noch vorwärts zu be 
wegen. 
Endlich war das Schloß erreicht, und sie stand 
im Zimmer ihrer Mutter. 
„Mutter!" 
Mit einem Wehlaut brach sie zu der Mutter 
Füßen zusammen und barg ihren Kopf in deren 
Schoß. 
„Kind, Rotraut, was ist geschehen?" ries die 
Gräfin tief erschrocken, sich zu der Knienden neigend 
und sie mit beiden Armen umfangend. 
Ein erschütterndes Schluchzen brach aus Ro- 
trauts Brust hervor, und sie konnte zuerst nicht 
sprechen. Endlich rang es sich aus ihr empor, stoß 
weise, halb erstickt: 
„Im Park begegnete mir eine Dame, — die — 
die sagte mir, — sie wäre — meine Mutter —' 
„Wer? Was sagst du, — wer war dos, — wer?" 
fragte die Gräfin bebend, und ihre Züge nahmen 
einen schreckhaft gespannten Ausdruck an. 
„Eine Wahnsinnige, fo glaubte ich anfangs, — 
die mir im Park aufgelauert." Jäh richtete sie sich 
auf und eine flehende, beschwörende Angst lag in 
ihren Augen, im Ton ihrer Stimme: „Mutter, — 
sage mir die Wahrheit, meine Mutter ist nicht 
tot —?" 
Die Gräfin senkte für einen Augenblick den 
Mick vor der Tochter, dann sagte sie langsam, wie 
zögernd: 
„Sie ist tot — für dich." 
Mit einem Satz sprang Rotrout ans, ihr Kör 
per flog vor Erregung. 
„Was heißt das? — Sprich, o sprich, Mutter!" 
drängte sie mit fieberndem Ungestüm. „Was weißt 
du von meiner Mutter — wo war sie bisher, wo und 
wie-lebte sie?" 
Da griff der Gräfin Hand beruhigend nach der 
zitternden Rotraut und zog sie näher zu sich heran 
auf den Stuhl an ihrer Seite, liebkosend über ihre 
Hand streichend: 
„Beruhige dich doch, Liebling — es wird eine 
Wahnsinnige gewesen sein, die vorgab —" 
„Rein — nein!" unterbrach sie Rotraut unge 
stüm, „sie war es — wie hätte sie sonst meinen Na 
men wissen können — wie hätte sie — o, Mutter, 
spanne mich nicht länger auf die Folter. Hier ist 
ein Geheimnis, das ihr mir bisher verbergen woll 
tet, — lüfte es — sage mir die Wahrheit, — ich habe 
ein Recht, sie zu wissen und zu kennen. Ihr wußtet, 
daß meine Mutter noch lebte — ihr habt es mir aus 
irgendwelchem dunklen Grunde verborgen gehalten." 
Der Gräfin Gesicht war bleich vor Erregung 
und Pein. Sie kämpfte mit sich einen schweren 
Kampf. 
„Wir glaubten, daß sie längst tot wäre, denn 
wir hörten nichts mehr von ihr, seit —* 
„Seit? Warum zögerst du?" fiel Rotraut ihr 
in die stockende Rede. 
„Seit sie dich und deinen Vater verließ", be 
endete die Gräfin den Saß. 
„Weiter — weiter!" drängte Notraut, und auf 
ihren Wangen zeigten sich zwei dunkelrote Flecken, 
die Zeichen höchster Erregung. 
„Sie verließ euch um eines anderen willen" 
fuhr die Gräfin gequält fort. „Sie ließ sich vor 
deinem Vater scheiden und ging mit dem —anderen 
nach Amerika, wo sie seither verschollen blieb. Da 
brachte dich dein Pater zu uns, und wir haben uns 
geschworen, daß du niemals erfahren solltest, was sie 
getan, wir wollten dich in dem Glauben erhalten, 
daß sie tot sei, damit du ihr ein gutes Gedenken be 
wahren konntest und unter ihrer Schuld nicht leiden 
solltest. Sie hat ihre Rechte an dich verwirkt, als 
sie dich hilf- und mutterlos zurückließ, um ihrer 
Leidenschaft zu folgen — sie hat dich beinahe acht 
zehn volle Jahre entbehren können und wenn sie 
jetzt wirklich zurückgekehrt sein sollte — hat sie mit 
dir nichts mehr zu schaffen — darf sie deinen Weg 
nicht mehr kreuzen. Sie muß tot für dich sein, wie 
sie cs bisher war." 
(Fortsetzung folgt.) 
•Clegen üblen Mmigermh ^ $2 
säumen, 
Lhnen Mitteilung zu machen, das; ich seit dem Gebrauch Ihrer 
Zahnpaste „Chlorvdont" nicht nur reine, weihe Zähne besitze, son 
dern auch den bei mir sonst üblichen Mundgeruch verloren habe. 
2ch werde Ihr Chlorvdont aufs beste empfehlen." gcz. E. E., Mainz. 
Man verlange nur die echte Chlorodont-Zahnpaste, Tube bl Pf, 
und so Pf., und weise jeden Ersatz dafür zurück
	        
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