Full text: Summarium des Neuesten und Wissenswürdigsten aus der gesammten Medicin zum Gebrauche für praktische Aerzte und Wundärzte (Neueste Folge, Band 19/21 (Jahrgang 1842), No 1-No 104)

Pathologie , Therapie und medieinische Klinik. 617 
wurde nicht gestatlet. — So lange K. die Diagnose noch auf 
Rheumatismus gestellt hatte, war die Behandlung antiphlogi- 
stisch und antirheumatisch. Beim Eintritt des typhösen Sla- 
diums verordnete K. anfangs Saturatio Kal! carbon., später 
Valeriana und zuleizt Kampher mit Aerdum sulph. dilut. — 
Zeit, Art und Weise der Ansteckung blieb insolern zweifel- 
haft, als nicht ausgemacht ist, ob der Kranke sogleich an 
Rotzansteckung darnieder gelegen, ‚oder ob die Ansteckung erst 
in der ersten Zeit seiner Krankheit erfolgt sei. Das letztere 
hält K. für wahrscheinlicher. Im August v. J. kamen näm- 
lich heftige. Rheumatismen häufig vor; das Leiden stellte sich 
anfangs „ wie es auch der Rotz beim Menschen iIhul, im Bilde 
des acuten rheumatischen Fiebers dar, und es vergingen 3} 
Wochen, ehe sich das typhöse Stadium zeigte: nach dem bis- 
herigen Beobachtungen eine etwas lange Dauer. Wenn man 
sogleich Rotzinfeetion annehmen will, bleibt Ferner die Art und 
Weise der Ansteckung etwas räthselbaft. Obgleich mehrere 
Erfahrungen dafür sprechen, dass der blosse Verkehr mit rotz- 
kranken Pferden zur Ansteckung hinreiche, so scheint dazu 
doch theils längerer Aufenthalt in den Krankenställen, Iheils 
Anhänfung von mehreren rolzkranken Thieren in einem Stıalle 
erfordert zu werden. Das Pferd des Kranken aber stand allein 
in einem schr reinlichen Stalle, und wenn er auch die Fütte- 
rung und das Putzen selbst besorgt halte, so war dazu doch 
kein langer Aufenthalt im Stalle erforderlich.  Infection durch 
die Atmosphäre des kranken Thieres liess sich also kaum an- 
nehmen und von Verwundung oder Verunreinigung durch die 
Rotzjauche liess sich nichts ermitteln. RK. hält es daher für 
sehr wahrscheinlich, dass die Ansteckung erst während der 
Krankheit durch die Decke des Pferdes erfolgt sei. Il. Der 
Stadtwundarzt Bülow öffnete auf K’s. Wunsch eine der Ge- 
schwülste am Vorderarme dieses Kranken, wobei er sich ganz 
leicht am Rücken des Zeigelingers verletzte. In der Nacht 
darauf erwachte B. über eigenthümlichen, dumpfen Schmerz 
im verletzten Finger. Am zweiten Tage zeigte sich auf der 
kleinen , fast schon verbeilten Stichwunde ein kleiner, dunkler, 
von einem strenz umgrenzten rothen Hofe umgebener Fleck. 
Der Schmerz erstreckte sich von der Wunde bis zum Ellen- 
bogengelenke und trat wie die rheumatischen Schmerzen perio- 
disch auf. Am dritten Tage hatte sich der Fleck elwas erho- 
ben und bis zum Umfange eines Silbergroschens vergrössert, 
war dunkelroth und ziemlich flach, « Der Schmerz erstreckte 
sich nur his zur Achselhöhle hinauf und die Achseldrüsen wur- 
den schmerzhaft und schwollen an. Der Kranke war sehr 
nicdergeschlagen und traurig, und litt besonders Tag und Nacht
	        
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