Pathologie , Therapie und medieinische Klinik. 617
wurde nicht gestatlet. — So lange K. die Diagnose noch auf
Rheumatismus gestellt hatte, war die Behandlung antiphlogi-
stisch und antirheumatisch. Beim Eintritt des typhösen Sla-
diums verordnete K. anfangs Saturatio Kal! carbon., später
Valeriana und zuleizt Kampher mit Aerdum sulph. dilut. —
Zeit, Art und Weise der Ansteckung blieb insolern zweifel-
haft, als nicht ausgemacht ist, ob der Kranke sogleich an
Rotzansteckung darnieder gelegen, ‚oder ob die Ansteckung erst
in der ersten Zeit seiner Krankheit erfolgt sei. Das letztere
hält K. für wahrscheinlicher. Im August v. J. kamen näm-
lich heftige. Rheumatismen häufig vor; das Leiden stellte sich
anfangs „ wie es auch der Rotz beim Menschen iIhul, im Bilde
des acuten rheumatischen Fiebers dar, und es vergingen 3}
Wochen, ehe sich das typhöse Stadium zeigte: nach dem bis-
herigen Beobachtungen eine etwas lange Dauer. Wenn man
sogleich Rotzinfeetion annehmen will, bleibt Ferner die Art und
Weise der Ansteckung etwas räthselbaft. Obgleich mehrere
Erfahrungen dafür sprechen, dass der blosse Verkehr mit rotz-
kranken Pferden zur Ansteckung hinreiche, so scheint dazu
doch theils längerer Aufenthalt in den Krankenställen, Iheils
Anhänfung von mehreren rolzkranken Thieren in einem Stıalle
erfordert zu werden. Das Pferd des Kranken aber stand allein
in einem schr reinlichen Stalle, und wenn er auch die Fütte-
rung und das Putzen selbst besorgt halte, so war dazu doch
kein langer Aufenthalt im Stalle erforderlich. Infection durch
die Atmosphäre des kranken Thieres liess sich also kaum an-
nehmen und von Verwundung oder Verunreinigung durch die
Rotzjauche liess sich nichts ermitteln. RK. hält es daher für
sehr wahrscheinlich, dass die Ansteckung erst während der
Krankheit durch die Decke des Pferdes erfolgt sei. Il. Der
Stadtwundarzt Bülow öffnete auf K’s. Wunsch eine der Ge-
schwülste am Vorderarme dieses Kranken, wobei er sich ganz
leicht am Rücken des Zeigelingers verletzte. In der Nacht
darauf erwachte B. über eigenthümlichen, dumpfen Schmerz
im verletzten Finger. Am zweiten Tage zeigte sich auf der
kleinen , fast schon verbeilten Stichwunde ein kleiner, dunkler,
von einem strenz umgrenzten rothen Hofe umgebener Fleck.
Der Schmerz erstreckte sich von der Wunde bis zum Ellen-
bogengelenke und trat wie die rheumatischen Schmerzen perio-
disch auf. Am dritten Tage hatte sich der Fleck elwas erho-
ben und bis zum Umfange eines Silbergroschens vergrössert,
war dunkelroth und ziemlich flach, « Der Schmerz erstreckte
sich nur his zur Achselhöhle hinauf und die Achseldrüsen wur-
den schmerzhaft und schwollen an. Der Kranke war sehr
nicdergeschlagen und traurig, und litt besonders Tag und Nacht