Bordesholmer Handschriften
Das Augustiner-Chorherrenstift Bordesholm war ein bedeutendes religiöses Zentrum auf dem Gebiet des heutigen Schleswig-Holstein. Die Ursprünge des Stifts reichen bis ins 12. Jahrhundert zurück, als der Missionar Vizelin um 1127 im nahegelegenen Ort Faldera/Wippenthorp mit dem „Novum Monasterum“ eine erste Niederlassung der Augustiner-Chorherren gründete. Zwischen 1327 und 1332 wurde das Stift dann nach Bordesholm verlegt, wo es bis zur Auflösung im Jahr 1566 bestand.
Im Jahr 1488 verzeichnete der Bibliothekskatalog bereits einen Bestand von 529 Bänden, der bis zur Aufhebung des Stifts auf mindestens 650 Handschriften und Drucke anwuchs. Nach der Gründung der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel 1665 gelangten die in Bordesholm verbliebenen Bücher in die Universitätsbibliothek Kiel, wo bis heute neben 163 Druckwerken auch 142 Handschriften erhalten sind.
Die Bordesholmer Handschriften umfassen theologische und juristische Schriften sowie lateinische Klassiker und decken ein breites thematisches Spektrum ab. Besonders hervorzuheben ist die unikal überlieferte „Bordesholmer Marienklage“, ein geistliches Spiel aus dem 15. Jahrhundert.

Insgesamt handelt es sich um den wichtigsten in Schleswig-Holstein erhaltenen gebliebenen mittelalterlichen Handschriftenbestand, der im Hinblick auf Umfang und Geschlossenheit zudem von überregionaler Bedeutung ist. Er zählt zum kostbaren kulturellen Erbe Schleswig-Holsteins im Mittelalter.
Im Rahmen mehrerer DFG-geförderter Projekte wurde der gesamte Handschriftenbestand des Augustiner-Chorherrenstifts Bordesholm, der sich heute in der Universitätsbibliothek Kiel befindet, wissenschaftlich erschlossen und digitalisiert. Hierdurch steht er nunmehr allen interessierten Personen online zur Verfügung.